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An der Arche um acht  
1 Vorbericht:
Neue Kronenzeitung, 30.September 2011

An der Arche um acht“ im u\hof: Linz:
Kinderfragen zur Bibel
„Ich wollte dieses Stück schon lange einmal machen“, sagte John F. Kutil, neuer Chef im Linzer u\hof: Theater für junges Publikum, über „An der Arche um acht“. Für dieses preisgekrönte Stück von Ulrich Hub verzichtete er auf eine Uraufführung zu seinem Einstand. Premiere ist am 07. Oktober um 19:30 Uhr.
„An der Arche um acht“ behandelt den biblischen Stoff der Arche Noah aus Sicht dreier Pinguine. „Aber es ist keine Bibelstunde“, erklärt Regisseur Kutil. Das Stück für alle ab sechs Jahren gibt Antwort auf Kinderfragen über Gott und Gerechtigkeit und erzählt, wie es gewesen sein könnte. Auch das Thema Freundschaft und Zusammenhalt wird behandelt. Damit Erwachsene ihren Spaß an der Aufführung haben, gibt es auch für sie unterhaltsame Seitenhiebe. Jan Hax Halama ist für Bühne und Kostüme verantwortlich. Aufgrund der räumlichen Situation im u\hof: entschied er sich für ein Guckkastentheater. Die Kostüme sind an das Rokoko angelehnt. Die SchauspielerInnen Sabrina Rupp, Wenzel Brücher, Markus Pendzialek und Katharina Halus müssen auch musikalische Qualitäten beweisen. Die Musik zur auf 60 Minuten erschlankten Handlung kommt von Franz Flieger Stoegner.


Vorbericht:
Linz Tips, Das ist los, 40. Woche 2011

Theater für junges Publikum im u\hof: „An der Arche um acht“
Linz. Die erste u\hof:-Premiere der neuen Saison markiert gleichzeitig den Beginn einer neuen Ära: John F. Kutil tritt seinen Dienst als neuer Chef des Theaters für junges Publikum an. Als Auftakt für die neue Saison hat er sich Ulrich Hubs „An der Arche um acht“ ausgesucht.
Das Stück „An der Arche um acht“ setzt sich mit der Arche-Noah-Geschichte auseinander. Und zwar aus der Sicht dreier Pinguine, die natürlich alle auf das rettende Schiff wollen. „Es ist ein sehr gut geschriebenes und komödiantisches Stück, das sehr viel Situationskomik bietet“, so Kutil. Der Autor Ulrich Hub, Jahrgang 1963, verwendet eine überaus lebendige zeitgemäße Sprache mit viel Humor und Tiefgang. Sein Stück „An der Arche um acht“ wurde 2006 mit dem Deutschen Kindertheaterpreis, die gleichnamige Hörspielfassung mit dem Deutschen Kinderhörspielpreis ausgezeichnet. „An der Arche um acht“ gibt Antworten auf Fragen wie die Pinguine damals auf die Arche gekommen sind und erzählt, wie es gewesen sein könnte. Auf eine humorvolle und berührende Art und Weise bringt John F. Kutil die Geschichte auf die u\hof:-Bühne. Die neuen u\hof:-Schauspieler Sabrina Rupp, Wenzel Brücher und Markus Pendzialek geben ihr Debüt, zeigen auch ihre musikalischen Qualitäten und verhandeln im Zusammenspiel mit der schon bekannten u\hof:-Schauspielerin Katharina Halus philosophische Fragen über Gott und Gerechtigkeit. Kindergerecht aufbereitet, wird hier auch das Thema Freundschaft aufgegriffen. In einer Extremsituation müssen sich drei Freunde bewähren. Schließlich geht es ums Überleben. An dieser Inszenierung hat auch jeder Erwachsene seinen Spaß, fehlt es doch nicht an Seitenhieben, die für die „Großen“ gedacht sind. Empfohlen am sechs Jahren.


Rezension:
Neue Kronenzeitung, Kultur, 9. Oktober 2011

Neues u\hof:-Kinderstück macht auch Erwachsenen Spaß:
Treffen an der Arche um acht
von Milli Hornegger
Ein wunderbares Kinderstück und ein genialer Regie-Einstand von John F. Kutil, dem neuen Chef im Linzer u\hof: „An der Arche um acht“ von Ulrich Hub erzählt die bezaubernde Geschichte, wie damals die Pinguine auf die Arche Noah gekommen sind – und macht auch größeren (und älteren) BesucherInnen so richtig Spaß!
Autor Ulrich Hub bekam für seine „Arche“ sowohl den deutschen Kindertheaterpreis als auch den Kinderhörspielpreis. Auf der klitzekleinen, aber von Jan Hax Halama genial genutzten u\hof:-Bühne wird seine ganz und gar nicht biblische Geschichte – dafür ist sie viel zu frech! – zu einer Spielwiese für ein wunderbares neues Team: Katharina Halus, Wenzel Brücher und Sabrina Rupp sind die drei Pinguine. In ihren üppigen Kostümen (Jan Hax Halama hat die Pinguin-Seele offenbar bis ins Detail erforscht) stolzieren sie übers Eis und haben bald ein Problem: Die Taube (Markus Pendzialek) verkündet nämlich die Sintflut und lädt zwei Pinguine ein auf die Arche Noah. Was tun mit dem dritten Pinguin? Doch die drei Freunde bewähren sich auch in dieser Extremsituation, und Noah (Stimme von Gerhard Willert) drückt ein Auge zu. John F. Kutil packt ein großes Thema – wie war das nochmal mit Gott? – humorvoll und beherzt an und macht daraus ein Schauspiel für alle ab sechs Jahren. Mit Betonung auf „für alle“… Den DarstellerInnen zuzuschauen und zuzuhören, ist die reine Freude, darüber hinaus verfügen sie auch über beachtliche musikalische Fähigkeiten. Die Musik stammt von Franz Flieger Stoegner, der Song „Ich bin was ich bin“ von Taube-Darsteller Markus Pendzialek. Das groovt ganz schön!


Rezension:
OÖ Nachrichten, Kultur & Medien, 10. Oktober 2011
Die Arche ist kein Kreuzfahrtschiff
von Silvia Nagl
Die entzückende Geschichte „An der Arche um acht“ hat John F. Kutil für seinen Einstand als neuer Chef der Linzer Landestheaterspielstätte u\hof: Theater für junges Publikum gewählt – und auch gleich selbst Regie geführt.
Es sind drei wirklich entzückende Pinguine, die der, nennen wir es: Einladung Noahs auf seine Arche folgen. Also offiziell sind es ja nur zwei Pinguine, aber die nehmen kurzerhand ihre Freundin als blinde Passagierin mit auf das Schiff.
Für „An der Arche um acht“ hat der deutsche Autor Ulrich Hub die bekannte Bibel-Geschichte über die Arche Noah als Basis genommen für ein wortwitzitg konstruiertes Stück, das schon allein deshalb, weil die Hauptdarsteller Tierfiguren mit sehr menschlichen Charakterzügen sind, beim jungen und auch älteren Publikum punkten kann. Wie immer bei einem Dreier gibt es wechselnde Koalitionen, Streit, Mobbing, aber eben auch viel Spaß und dicke Freundschaft. Das alles kennen schon die kleinen Zuseher – und auch die Großen haben Ihre Freude daran.
Das Schauspiel-Team hat die Körperbewegungen der tierischen Frackträger sichtlich gut studiert und gibt jedem überdies seinen ganz speziellen Typus. Drei Neue im vierköpfigen u\hof:-Ensemble stellen sich in dieser Produktion vor: Sabrina Rupp als kleiner, kecker, stimmungsstarker und frech rappender Pinguin, Wenzel Brücher als eher pragmatischer, liebenswert tollpatischer Spaßmacher und Markus Pendzialek als energiegeladene, chaotische Taube, dem singenden Schauspieler Max Raabe nicht unähnlich. Dritte im Pinguin-Bunde ist Katharina Halus als robuster und selbstbewusster Pinguin.
Regisseur John F. Kutil hat an den Charakteren der Figuren gefeilt und gibt dem Ganzen eine große Portion Humor und Augenzwinkern, zeigt Slapstickartigen Witz und amüsante Gesangs- und Tanzeinlagen.
Die Geschichte um die Arche Noah hinterlässt, wie andere Bibel-Geschichten ja auch, viele Fragezeichen. Denn, wieso bitteschön lässt Gott den Noah von jeder Tierart nur ein Pärchen mitnehmen, während die anderen und die Menschen in der Sintflut ersaufen müssen? Darauf gibt es naturgemäß im Stück keine Antwort, und so mancher hat sie auch bis ins Erwachsenenalter nicht gefunden. Als Erzählung, die weniger diese Frage, dafür mehr die Freundschaft in den Mittelpunkt stellt, funktioniert sie aber auf der Bühne recht gut. Franz Flieger Stoegner trägt mit seinen groovigen Sounds nicht unwesentlich zu den kurzweiligen 60 Minuten bei. Toll gelöst das Bühnenbild von Jan Hax Halama, der aus Eisbergen schwupps eine Schiffsbauch samt schwankendem Bretterboden entstehen lässt und die Kostüme in hübscher barocker Üppigkeit gestaltet. Sehenswert für alle Altersklassen!

Rezension:
Neues Volksblatt, Kultur, 10. Oktober 2011
Für wirklich alle ab sechs Jahren!
Premiere: „An der Arche um acht“ im Linzer \uhof:
von Andreas Hutter

„An der Arche um acht“ Uhr ist Treffpunkt für all jene Tiere, die sich vor der Sintflut auf Noahs Gefährt retten wollen. Eine himmlische Taube in weißer Polizeiuniform bringt die Tickets. Leider dürfen von jeder Tierart nur zwei Exemplare mit an Bord, was die beiden Pinguine schwer trifft. Denn: „Kein Pinguin lässt einen anderen Pinguin im Regen stehen!“, und so schmuggeln sie ihren kleinen Freund im Koffer mit in den Schiffsbauch. Wo es bald drunter und drüber geht: Der Tausendfüßler hat seine Schuhe verloren, und die Antilopen wollen partout nicht neben den Löwen schlafen. Trotzdem recht schwierig, den dritten Pinguin vor Gottes gefiedertem Sendboten versteckt zu halten ... Vor diesem Hintergrund wird in Ulrich Hubs preisgekröntem Kinderstück ein großes Thema gescheit verhandelt: Wer ist Gott — und gibt es ihn überhaupt? Das alles aber angereichert mit viel Situationskomik und humorvollen kleinen Gags, die noch der kleinste Nebensatz bereithält. Regisseur John F. Kutil feiert damit einen tollen Einstand als neuer Leiter des Linzer u\hof:s. Er selbst hat den Einstünder spritzig-witzig auf die kleine Bühne gestellt, die Jan Hax Halama mit seinem gelungenen, mehr Tiefe vorgaukelnden Bühnenbild viel größer erscheinen lässt. Sie wird aber vom neuen Ensemble, in Halamas opulenten Kostümen und zu Franz Fliegner Stoegers eingängiger Musik, auch optimal genutzt. Allen voran der quirlige kleine Pinguin, den Neuzugang Sabrina Rupp da darstellerisch wie gesanglich herausragend abliefert. Auch Wenzel Brücher und Katharina Halus haben sich gewinnbringend ins Leben der Pinguine vertieft. Und Markus Pendzialek ist eine weiße Taube, wie sie im heiligen Buche steht. In Kooperation mit dem Schauspiel des Landestheaters leiht dessen Chef Gerhard Willert sein sonores bayrisches Organ der aus dem Off ertönenden Stimme des Noah. Selten musste an dieser Stelle die Altersempfehlung „für alle ab 6 Jahren“ so sehr mit Betonung auf „alle“ abgegeben werden! Ein herrliches Vergnügen für Jung und Alt!


Rezension:
Der Standard, Juniortüte, 15./16. Oktober 2011

15.11., Wer zu spät kommt ertrinkt
Drei Pinguine im ewigen Eis: Hier passiert nicht viel, außer hin und wieder ein dummer Streit darüber, wer am heftigsten nach Fisch stinkt und über die Existenz Gottes. Dem sei aber nicht viel eingefallen, Schnee und Eis, wohin man schaut, so eine stets zweifelnde Pinguindame (Sabrina Rupp). Als sie gar aus Versehen eine Schmetterling zerdrückt, beginnt der Streit von neuem: Gott sieht alles, weiß alles und will schon gar nicht, dass man tötet – meinen die zwei anderen Pinguine (Katharina Halus, Wenzel Brücher).
Während sich ihre Freundin schmollend verzieht, werden die beiden von einer Taube (Markus Pendzialek) darüber informiert, das Gott jetzt genug hat vom derzeitigen Zustand der Welt und mit Hilfe einer Sintflut noch einmal von vorne beginnen will. Die Arche Noah steht bereit, Tickets gibt es aber nur für zwei Tiere aus jeder Gattung. Den beiden aber ist trotz Streit klar: Alle drei müssen auf die Arche, schließlich sind sie Freunde und überhaupt: Wie kann es Gott zulassen, dass nur Auserwählte nicht ertrinken?
Auf der Arche um acht – 2006 von Ulrich Hub als Auftragsarbeit zum Thema „Gott“ verfasst – ist ein Stück über echte Freundschaft und die großen Fragen der Menschen und Pinguine: Warum ist die Welt so, wie sie ist – manchmal ungerecht und schlecht?
John F. Kutils Inszenierung ist klug und komödiantisch-rasant. Die vier jungen Schauspieler spielen und singen enthusiastisch und absolut liebenswert. Vor allem Sabrina Rupp als grantelnde Pinguindame und Markus Pendzialek als völlig überforderter Tauben-Schiffssteward sind gesanglich hinreißend.
60 feine Theaterminuten, nicht nur für Kinder.
Darwins Erbe  
1 Vorbericht:
Neues Volksblatt, Kultur, 28. Oktober 2011
Theater: „Darwins Erbe“ in heutiger Zeit
Julien, Sohn wohlhabender Eltern, ist diesen Sommer allein zuhaus. Dummerweise ist er auf Georgie hereingefallen, der ihm die Teilnahme an einem Pyramidenspiel schmackhaft gemacht hat. Julien hat sich dafür Geld geliehen, von Luc, dem „Geschäftemacher“, und Jacques, seinem besten Freund. Nur mehr drei Stunden Zeit bleiben ihm, um das Geld aufzutreiben ... Was das alles mit „Darwins Erbe“, so der Titel des preisgekrönten Jugendstücks der Kanadierin Evelyne de la Chenelière (* 1975), zu tun hat? Nun, beim fieberhaften Überlegen kommen Julien auch existenzielle Gedanken wie der: Läuft die natürliche Auslese beim Menschen nur über Geld? Die österreichische Erstaufführung des Einstünders für alle ab elf Jahren, die heute um 19.30 Uhr über die Landestheater-Bühne im Linzer u\hof: geht, inszeniert Michael Schachermaier. Für ihn ist es wichtig, besonders in der „gefürchteten Altersgruppe der 11- bis 13-Jährigen, in der es noch Kids gibt, die Puppen und Lego spielen, aber auch solche, die bereits in der Pubertät sind“, diese „abzuholen, wo sie stehen“. Das Bühnenbild hat Julia Kopa als Großstadt-Spielplatz und Baustelle gestaltet. Darin spielen zwei „Neue“: Florian Stohr und Bernhard Georg Rusch.

Rezension:

Neue Kronenzeitung, Kultur, 30. Oktober 2011

u\hof:-Premiere von „Darwins Erbe“ Anspruchsvolle Kost
von Claudia Tröster
Durchaus anspruchsvolle Kost setzt der Linzer u\hof: der Zielgruppe seiner jüngsten Produktion „Darwins Erbe“ vor. Regiert einzig Geld unsere Gesellschaft? Wie viel hält eine Freundschaft aus? Fragen, die sich nicht nur, aber auch Jungendliche ab 11 Jahren stellen (sollten). Eine gelungene Premiere!
Das Jugendstück sieht man der Inszenierung von Michael Schachermaier auf den ersten Blick gar nicht an. Die Freunde Julien und Jacques treffen sich in den Ferien auf einem Spielplatz oder einer Baustelle (Bühne und Kostüm: Julia Kopa). Die Kanadierin Evelyne de la Chenelière (Übersetzung: Gerda Poschmann-Reichenau) hat zwei Themenstränge für sie geschaffen. Julien beschäftigt zum einen Darwins Evolutionstheorie, zum anderen hat er ganz konkrete und bedrohliche Geldprobleme. Er hat erfolglos in ein Pyramidenspiel investiert. Nicht nur eigenes Kapital, sondern auch das mühsam Ersparte seines Freundes Jacques und das von einem Drogendealer geliehene Geld. Und jetzt ist Zahltag …
Und so wechseln die Dialoge zwischen Philosophischem und der ganz konkreten Angst vor dem Schuldeneintreiber. Dabei werden auch die gesellschaftlichen Barrieren zwischen dem aus vermögendem Haus stammenden Julien und seinem Freund, dessen Mutter nicht einmal genug Geld hat, den kranken Hund einschläfern zu lassen, sicht- und dank der beiden jungen Darsteller auch spürbar. Bernhard Georg Rusch (Julien) und Florian Stohr (Jacques) sind ernsthaft in ihrem Auftreten geben der Inszenierung aber eine glaubwürdige jugendliche Dynamik.
Wie gesagt: „Darwins Erbe“ ist keine leichte Kost für das Jugendtheater, aber ein durchaus geeigneter Versuch, junge Menschen zum Nachdenken anzuregen. Bravo!

Rezension:
Neues Volksblatt, 31. Oktober 2011

Darwin und das liebe Geld
Österreichische Erstaufführung: Jugendstück „Darwins Erbe“ von Evelyne de la Chenelière für alle ab 11 Jahren im Linzer u\hof:
von Andreas Hutter

Summer in the City. Julien, Scheidungskind aus wohlhabender Familie, hat sich in den Ferien mit allerei Schwindeleien ein paar Wochen allein zuhause ergaunert. Sein ungleich ärmerer Freund Jacques dagegen hat nicht einmal das Geld, um seinen krebskranken Hund einschläfern zu lassen. Auf einer verlassenen Baustelle schlagen die beiden die Zeit tot mit Gesprächen über Fahrräder und Familie, Schule und Mädchen, Geld und Pyramidenspiele.
Über letzteres vor allem, denn dabei hat Julien nicht nur seinen eigenen Kies verloren, sondern auch das mühsam für einen Drahtesel Angesparte seines Freundes, das er mit dem Sammeln von Pfanddosen verdient hat. Dazu noch 250 Flocken von Luc, einem stadtbekannten Schläger und Drogendealer.
Nur noch drei Stunden …. Dann müssen 500 Mäuse, Piepen oder Kröten her. Sonst gibt es gewaltigen Stunk mit Luc. Dabei kommen Julien immer wieder die Theorien des Forschers Charles Darwin in den Sinn: De Mensch stammt vom Affen ab und entwicklungsgeschichtlich haben stets die der Umwelt am besten angepassten Arten überlebt. Wer aber kommt in der modernen Leistungsgesellschaft weiter? Regiert nur mehr Geld die Welt oder was? Am lieben Geld droht auch die Freundschaft der sozial so Unterschiedlichen zu zerbrechen.
Die kanadische Dramatikerin Evelyne de la Chenelière (*1975) begleitet in ihrem Bühnendebüt zwei Halbwüchsige ein kleines Stück weit durch den Dschungel des Erwachsenwerdens. Es ist eine lehr-, stellenweise aber auch etwas wortreiche und kopflastige Geschichte, die sie ihre beiden Protagonisten da eine Stunde lang spielen und erzählen lässt.
Michael Schachermaier hat das im sehr gelungenen, käfigartigen Bühnenbild von Julia Kopa aber recht flott und jugendlich aufgedreht inszeniert. Die jungen Gast-Schauspieler Bernhard Georg Rusch (Julien) und Florian Stohr (Jacques) bringen die zwei „Kids“ authentisch, glaub- und lebhaft über die Rampe. Nicht nur für alle ab elf Jahren!

Rezension:
OÖ Nachrichten, Kultur, 31. Oktober 2011

Theater: „Darwins Erbe“ im Linzer u\hof:-Theater
Regiert einzig Geld die Welt?
von Karin Schütze
„Darwins Erbe!“: Stück von Evelyne de la Chenelière, Regie: Michael Schachermaier, österr. Erstaufführung im u\hof:, Premiere 28.10.
Ein spannendes, aber auch herausforderndes und, weil ab elf Jahren angegeben, möglicherweise überforderndes Stück ist derzeit im u\hof:-Theater für junges Publikum zu sehen. „Darwins Erbe“ schildert drei Stunden im Leben zweier Jugendlicher: Julie, Sohn einer wohlhabenden Familie, und Jacques aus armen Verhältnissen. Zwei Freunde, die durch dick und dünne gehen und gemeinsam ein Problem zu meistern haben: Julien hat sich bei einem Pyramidengeschäft verspekuliert und Schulden beim dubiosen, gefürchteten Luc. Die Stunde der Wahrheit, die vermeintliche Geldrückgabe, naht … Bis dahin gibt es viel zu sinnieren, zu diskutieren, über Gott und eine Welt, in der „nur die Kohle zählt. Die natürliche Auslese läuft bei den Menschen über die Kohle“, sagt Jacques. Über Chancengleichheit, den Konflikt zwischen Arm und Reich, Arterhaltung, das Dasein als ungeplantes – oder gar ungewolltes? – Kind, über Sex und Abtreibung. Über viel Wichtiges, mitunter schon zu viel.
Mit Inbrunst gespielt
Der Bad Ischler Regisseur Michael Schachermaier erzählt die Bewährungsprobe tempo- und ideenreich mit viel Witz, aber ohne überflüssige Blödelei. Bühnenbildnerin Julia Kopa hat eine Baustalle mit Starkstromkabeln geschaffen, die beklettern und berutscht werden: ein abenteuerliches Ambiente.
Vor allem darstellerisch ist die einstündige Aufführung packend: Bernhard Georg Rusch verleiht Julien etwas melancholisch Sinnierendes, zaghaft Verzagtes. Florian Stohr ist der mit dem Härten des Lebens vertraute Jacques, beide ein vor Spielfreude strotzendes Duo, das seine Rollen mit derselben Inbrunst lebt mit der es auch bei der Affen-Imitation – dem Freundschaftsritual – fesselt.
Ein kluges Stück, gelungen inszeniert und packend gespielt, das auch Erwachsene ganz schön fordert, dessen Altersangabe aber doch überdenkenswert wäre.
Die gandiosen Abenteuer der tapferen Johanna Holzschwert  
2 Vorbericht:
OÖ Nachrichten, Kultur & Medien, 22. November 2011
Theaterstück ab 8: Mut und Fantasie
"Es ist eine sehr große Qualität, fantasiebegabt zu sein", sagt Nora Dirisamer, die beim Stück "Die grandiosen Abenteuer der tapferen Johanna Holzschwert" Regie führt. Premiere - für Menschen ab 8 Jahren - ist am Mittwoch, 30. November um 19.30 Uhr in der Linzer Landestheaterspielstätte u\hof: Theater für junges Publikum. Die achtjährige Johanna taucht immer wieder ein in solch eine Fantasiewelt, die sich manchmal mit der realen überschneidet. "Johanna liest gerne Bücher, vor allem über das Mittelalter und ihre tapfere Namenskollegin Jeanne d'Arc", sagt Nora Dirisamer. "Es geht im Stück um Mut, um das Überzeugtsein von seinen eigenen Fähigkeiten und darum, sich selbst etwas zuzutrauen." Wichtig für ihre Inszenierung ist auch die Musik (komponiert von Rainer Lanzerstorfer), die vom vierköpfigen Schauspielteam gespielt und gesungen wird.


Rezension:
Neues Volksblatt, Kultur, 2. Dezember 2011

Abenteuer im Kopf
Premiere: „Die grandiosen Abenteuer der Johanna Holzschwert“ von Michael Bang, Michael Schramm und Sabine Zieser im Linzer \uhof:
von Andreas Hutter
Die zehnjährige Johanna „hätte die Schule ganz gern, wenn da nicht die blöden Tussis wär'n“. Drei Mitschülerinnen sekkieren sie bis aufs Blut: wegen ihres Familiennamens Holzschwert, und weil sie sich ständig in ihrem Buch über Frankreichs Nationalheldin Jeanne d'Arc vergräbt. Hexen, Schlachten, Mittelalter: Das ist der Stoff, aus dem ihre Tagträume sind, als Leseratte findet sie ihre wahren Abenteuer im Kopf. Doch dann wirft sie im Streit mit den Mädchen eine Fensterscheibe ein. 1750 € Schadenersatz sollen ihre Eltern zahlen! Johanna sucht Trost im Zoo. Drei Erdmännchen prophezeien ihr, dass sie Frankreich befreien soll wie einst ihre Namensschwester. Mit der Ritterrüstung des Bruders zieht Johanna nach Orleans. Aber wird sie auch den Mut haben, den Eltern gegenüber ihren Fehler einzugestehen? Die Linzer Regisseurin Nora Dirisamer hat dieser sehr freien Bearbeitung von Schillers „Jungfrau von Orleans“ (für Kinder ab 8 Jahren) einige gute Einfälle beigefügt. Faszinierend wird etwa „vor Orleans“ im Rhythmus des Filmsongs „Mission impossible“ gekämpft. Manches bleibt durch die vielen Handlungsebenen indes verwirrend: Was ist Johannes Fantasie, was bloßes Kinderspiel, was entspringt dem Buch über Jeanne?
Dafür konnte das Abenteuerspiel, das kaum auf dem Scheiterhaufen enden wird, mit einem einnehmenden Bühnenbild (Caroline Stark) punkten, in dem schon mal Polster als Wolken herhalten. Weniger originell die grünen Trainingsanzüge, in denen die vier Akteure in 60 Minuten gut 20 Rollen im wahrsten Sinn des Wortes zu bekleiden hatten. Wahrhaft grandios tat das, auch gesanglich, die quirlig-dynamische Hauptdarstellerin Sabrina Rupp: ein Riesengewinn für den U-Hof! Auch Markus Pendzialek und Wenzel Brücher schlugen sich wacker, nur Katharina Halus blieb diesmal farblos. Schade, dass einer der Protagonisten ein T-Shirt mit der Aufschrift „Verpisst Euch!“ tragen muss — das sollte hierzulande auf gut Österreichisch „Schleicht's Euch“ heißen ...

Rezension:
OÖ Nachrichten, Kultur & Medien, 2. Dezember 2011

Theater: Für Menschen ab 8 im u\\hof:
In einer anderen Welt
von Silvia Nagl

Die grandiosen Abenteuer der tapferen Johanna Holzschwert: Stück (ab 8) von M. Bang/M. Schramm, S. Zieser; Landestheater Linz (u\\hof: für junges Publikum). Premiere am 30. November
Da geht ganz schön die Post ab bei dieser dynamischen Inszenierung von Nora Dirisamer, die im wandelbaren Bühnenbild von Caroline Stark auch das Schauspielteam nicht schont. Die vier Darsteller müssen in Sekundenschnelle in verschiedene Rollen schlüpfen und auch auf den sich sogar zu Burgen, Wällen und Schlachtfeld wandelnden Bühnenbauten herumturnen und -rutschen. Sabrina Rupp ist das fantasiebegabte Mädchen Johanna, das sich immer wieder in eine andere Welt träumt: unglaublich, wie viel Power und Temperament in dieser kleinen Person steckt! Ihre funkig-soulige Stimme, die bei den Musikarrangements von Rainer Lanzerstorfer gut zur Geltung kommt, ist große Klasse. Dieses Energiebündel ist Teil eines spielfreudigen und quirligen Ensembles: Katharina Halus, Wenzel Brücher und Markus Pendzialek.
Wenn auch das sehr junge Publikum nicht weiß, wer Jeanne d'Arc ist (das wird im Spielverlauf erklärt) oder eine Jungfrau (das wird nicht erklärt...) - sei's drum, vergnüglich ist es allemal, dem flotten Treiben zuzuschauen. Und Johanna vermittelt glaubwürdig, dass man vor nix und niemandem Angst haben muss, und dass Erwachsene sich auch manchmal recht locker verhalten können.
Eine kurzweilige Theaterstunde mit überbordender Fantasie zum Weiterträumen daheim.

Rezension:
Neue Kronenzeitung, 2. Dezember 2011

Erstaufführung eines „grandiosen Abenteuers“ im u\hof:
Johannas Flucht in die Fantasie

Der Linzer u\hof: ist derzeit der Spielplatz (oder das Schlachtfeld?) für „Die grandiosen Abenteuer der tapferen Johanna Holzschwert“. Der sperrige Titel erklärt sich schnell mit der Vorliebe der kleinen Johanna: Sie verschlingt das Buch mit den Geschichten der Johanna von Orleans und tagträumt ein wenig vor sich hin …
So ein junges Mädchen hat’s echt nicht leicht: geprüft mit einem schrulligen Bruder, die Eltern – naja, eh halbwegs ok. Dafür ordentlich geplagt von den tussihaften Mitschülerinnen – da können einem schon manchmal die Nerven durchgehen.
Johanna, verkörpert von einer wunderbaren, auch stimmlich überzeugenden Sabrina Rupp, sucht ihr Dilemma mit „Flucht“ zu lösen – in ihrer Fantasie wird sie selbst zur tapferen Jeanne d’Arc. Und irgendwie löst die tapfere Heldin dann auch noch ihre ganz alltäglichen Probleme …
Nora Dirisamer stellt mit nur vier (prächtigen) DarstellerInnen einen ganzen Figurenkosmos auf die Bühne: Katharina Halus, Wenzel Brücher und Markus Pendzialek meistern insgesamt 24 verschiedene Rollen! Caroline Stark baut dafür eine Bühne wie aus dem Bilderbuch. Was sie sich bei den hässlichen Trainingsanzügen dachte, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Trotzdem: eine feine Sache!
Der Spielzeit-Fahrplan 2011/12