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| An der Arche um acht |
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Vorbericht: Neue Kronenzeitung, 30.September 2011 „An der Arche um acht“ im u\hof: Linz: Kinderfragen zur Bibel „Ich wollte dieses Stück schon lange einmal machen“, sagte John F. Kutil, neuer Chef im Linzer u\hof: Theater für junges Publikum, über „An der Arche um acht“. Für dieses preisgekrönte Stück von Ulrich Hub verzichtete er auf eine Uraufführung zu seinem Einstand. Premiere ist am 07. Oktober um 19:30 Uhr. „An der Arche um acht“ behandelt den biblischen Stoff der Arche Noah aus Sicht dreier Pinguine. „Aber es ist keine Bibelstunde“, erklärt Regisseur Kutil. Das Stück für alle ab sechs Jahren gibt Antwort auf Kinderfragen über Gott und Gerechtigkeit und erzählt, wie es gewesen sein könnte. Auch das Thema Freundschaft und Zusammenhalt wird behandelt. Damit Erwachsene ihren Spaß an der Aufführung haben, gibt es auch für sie unterhaltsame Seitenhiebe. Jan Hax Halama ist für Bühne und Kostüme verantwortlich. Aufgrund der räumlichen Situation im u\hof: entschied er sich für ein Guckkastentheater. Die Kostüme sind an das Rokoko angelehnt. Die SchauspielerInnen Sabrina Rupp, Wenzel Brücher, Markus Pendzialek und Katharina Halus müssen auch musikalische Qualitäten beweisen. Die Musik zur auf 60 Minuten erschlankten Handlung kommt von Franz Flieger Stoegner.
Vorbericht: Linz Tips, Das ist los, 40. Woche 2011 Theater für junges Publikum im u\hof: „An der Arche um acht“ Linz. Die erste u\hof:-Premiere der neuen Saison markiert gleichzeitig den Beginn einer neuen Ära: John F. Kutil tritt seinen Dienst als neuer Chef des Theaters für junges Publikum an. Als Auftakt für die neue Saison hat er sich Ulrich Hubs „An der Arche um acht“ ausgesucht. Das Stück „An der Arche um acht“ setzt sich mit der Arche-Noah-Geschichte auseinander. Und zwar aus der Sicht dreier Pinguine, die natürlich alle auf das rettende Schiff wollen. „Es ist ein sehr gut geschriebenes und komödiantisches Stück, das sehr viel Situationskomik bietet“, so Kutil. Der Autor Ulrich Hub, Jahrgang 1963, verwendet eine überaus lebendige zeitgemäße Sprache mit viel Humor und Tiefgang. Sein Stück „An der Arche um acht“ wurde 2006 mit dem Deutschen Kindertheaterpreis, die gleichnamige Hörspielfassung mit dem Deutschen Kinderhörspielpreis ausgezeichnet. „An der Arche um acht“ gibt Antworten auf Fragen wie die Pinguine damals auf die Arche gekommen sind und erzählt, wie es gewesen sein könnte. Auf eine humorvolle und berührende Art und Weise bringt John F. Kutil die Geschichte auf die u\hof:-Bühne. Die neuen u\hof:-Schauspieler Sabrina Rupp, Wenzel Brücher und Markus Pendzialek geben ihr Debüt, zeigen auch ihre musikalischen Qualitäten und verhandeln im Zusammenspiel mit der schon bekannten u\hof:-Schauspielerin Katharina Halus philosophische Fragen über Gott und Gerechtigkeit. Kindergerecht aufbereitet, wird hier auch das Thema Freundschaft aufgegriffen. In einer Extremsituation müssen sich drei Freunde bewähren. Schließlich geht es ums Überleben. An dieser Inszenierung hat auch jeder Erwachsene seinen Spaß, fehlt es doch nicht an Seitenhieben, die für die „Großen“ gedacht sind. Empfohlen am sechs Jahren.
Rezension: Neue Kronenzeitung, Kultur, 9. Oktober 2011 Neues u\hof:-Kinderstück macht auch Erwachsenen Spaß: Treffen an der Arche um acht von Milli Hornegger Ein wunderbares Kinderstück und ein genialer Regie-Einstand von John F. Kutil, dem neuen Chef im Linzer u\hof: „An der Arche um acht“ von Ulrich Hub erzählt die bezaubernde Geschichte, wie damals die Pinguine auf die Arche Noah gekommen sind – und macht auch größeren (und älteren) BesucherInnen so richtig Spaß! Autor Ulrich Hub bekam für seine „Arche“ sowohl den deutschen Kindertheaterpreis als auch den Kinderhörspielpreis. Auf der klitzekleinen, aber von Jan Hax Halama genial genutzten u\hof:-Bühne wird seine ganz und gar nicht biblische Geschichte – dafür ist sie viel zu frech! – zu einer Spielwiese für ein wunderbares neues Team: Katharina Halus, Wenzel Brücher und Sabrina Rupp sind die drei Pinguine. In ihren üppigen Kostümen (Jan Hax Halama hat die Pinguin-Seele offenbar bis ins Detail erforscht) stolzieren sie übers Eis und haben bald ein Problem: Die Taube (Markus Pendzialek) verkündet nämlich die Sintflut und lädt zwei Pinguine ein auf die Arche Noah. Was tun mit dem dritten Pinguin? Doch die drei Freunde bewähren sich auch in dieser Extremsituation, und Noah (Stimme von Gerhard Willert) drückt ein Auge zu. John F. Kutil packt ein großes Thema – wie war das nochmal mit Gott? – humorvoll und beherzt an und macht daraus ein Schauspiel für alle ab sechs Jahren. Mit Betonung auf „für alle“… Den DarstellerInnen zuzuschauen und zuzuhören, ist die reine Freude, darüber hinaus verfügen sie auch über beachtliche musikalische Fähigkeiten. Die Musik stammt von Franz Flieger Stoegner, der Song „Ich bin was ich bin“ von Taube-Darsteller Markus Pendzialek. Das groovt ganz schön!
Rezension: OÖNachrichten, Kultur & Medien, 10. Oktober 2011 Die Arche ist kein Kreuzfahrtschiff von Silvia Nagl Die entzückende Geschichte „An der Arche um acht“ hat John F. Kutil für seinen Einstand als neuer Chef der Linzer Landestheaterspielstätte u\hof: Theater für junges Publikum gewählt – und auch gleich selbst Regie geführt. Es sind drei wirklich entzückende Pinguine, die der, nennen wir es: Einladung Noahs auf seine Arche folgen. Also offiziell sind es ja nur zwei Pinguine, aber die nehmen kurzerhand ihre Freundin als blinde Passagierin mit auf das Schiff. Für „An der Arche um acht“ hat der deutsche Autor Ulrich Hub die bekannte Bibel-Geschichte über die Arche Noah als Basis genommen für ein wortwitzitg konstruiertes Stück, das schon allein deshalb, weil die Hauptdarsteller Tierfiguren mit sehr menschlichen Charakterzügen sind, beim jungen und auch älteren Publikum punkten kann. Wie immer bei einem Dreier gibt es wechselnde Koalitionen, Streit, Mobbing, aber eben auch viel Spaß und dicke Freundschaft. Das alles kennen schon die kleinen Zuseher – und auch die Großen haben Ihre Freude daran. Das Schauspiel-Team hat die Körperbewegungen der tierischen Frackträger sichtlich gut studiert und gibt jedem überdies seinen ganz speziellen Typus. Drei Neue im vierköpfigen u\hof:-Ensemble stellen sich in dieser Produktion vor: Sabrina Rupp als kleiner, kecker, stimmungsstarker und frech rappender Pinguin, Wenzel Brücher als eher pragmatischer, liebenswert tollpatischer Spaßmacher und Markus Pendzialek als energiegeladene, chaotische Taube, dem singenden Schauspieler Max Raabe nicht unähnlich. Dritte im Pinguin-Bunde ist Katharina Halus als robuster und selbstbewusster Pinguin. Regisseur John F. Kutil hat an den Charakteren der Figuren gefeilt und gibt dem Ganzen eine große Portion Humor und Augenzwinkern, zeigt Slapstickartigen Witz und amüsante Gesangs- und Tanzeinlagen. Die Geschichte um die Arche Noah hinterlässt, wie andere Bibel-Geschichten ja auch, viele Fragezeichen. Denn, wieso bitteschön lässt Gott den Noah von jeder Tierart nur ein Pärchen mitnehmen, während die anderen und die Menschen in der Sintflut ersaufen müssen? Darauf gibt es naturgemäß im Stück keine Antwort, und so mancher hat sie auch bis ins Erwachsenenalter nicht gefunden. Als Erzählung, die weniger diese Frage, dafür mehr die Freundschaft in den Mittelpunkt stellt, funktioniert sie aber auf der Bühne recht gut. Franz Flieger Stoegner trägt mit seinen groovigen Sounds nicht unwesentlich zu den kurzweiligen 60 Minuten bei. Toll gelöst das Bühnenbild von Jan Hax Halama, der aus Eisbergen schwupps eine Schiffsbauch samt schwankendem Bretterboden entstehen lässt und die Kostüme in hübscher barocker Üppigkeit gestaltet. Sehenswert für alle Altersklassen!
Rezension: Neues Volksblatt, Kultur, 10. Oktober 2011 Für wirklich alle ab sechs Jahren! Premiere: „An der Arche um acht“ im Linzer \uhof: von Andreas Hutter „An der Arche um acht“ Uhr ist Treffpunkt für all jene Tiere, die sich vor der Sintflut auf Noahs Gefährt retten wollen. Eine himmlische Taube in weißer Polizeiuniform bringt die Tickets. Leider dürfen von jeder Tierart nur zwei Exemplare mit an Bord, was die beiden Pinguine schwer trifft. Denn: „Kein Pinguin lässt einen anderen Pinguin im Regen stehen!“, und so schmuggeln sie ihren kleinen Freund im Koffer mit in den Schiffsbauch. Wo es bald drunter und drüber geht: Der Tausendfüßler hat seine Schuhe verloren, und die Antilopen wollen partout nicht neben den Löwen schlafen. Trotzdem recht schwierig, den dritten Pinguin vor Gottes gefiedertem Sendboten versteckt zu halten ... Vor diesem Hintergrund wird in Ulrich Hubs preisgekröntem Kinderstück ein großes Thema gescheit verhandelt: Wer ist Gott — und gibt es ihn überhaupt? Das alles aber angereichert mit viel Situationskomik und humorvollen kleinen Gags, die noch der kleinste Nebensatz bereithält. Regisseur John F. Kutil feiert damit einen tollen Einstand als neuer Leiter des Linzer u\hof:s. Er selbst hat den Einstünder spritzig-witzig auf die kleine Bühne gestellt, die Jan Hax Halama mit seinem gelungenen, mehr Tiefe vorgaukelnden Bühnenbild viel größer erscheinen lässt. Sie wird aber vom neuen Ensemble, in Halamas opulenten Kostümen und zu Franz Fliegner Stoegers eingängiger Musik, auch optimal genutzt. Allen voran der quirlige kleine Pinguin, den Neuzugang Sabrina Rupp da darstellerisch wie gesanglich herausragend abliefert. Auch Wenzel Brücher und Katharina Halus haben sich gewinnbringend ins Leben der Pinguine vertieft. Und Markus Pendzialek ist eine weiße Taube, wie sie im heiligen Buche steht. In Kooperation mit dem Schauspiel des Landestheaters leiht dessen Chef Gerhard Willert sein sonores bayrisches Organ der aus dem Off ertönenden Stimme des Noah. Selten musste an dieser Stelle die Altersempfehlung „für alle ab 6 Jahren“ so sehr mit Betonung auf „alle“ abgegeben werden! Ein herrliches Vergnügen für Jung und Alt!
Rezension: Der Standard, Juniortüte, 15./16. Oktober 2011 15.11., Wer zu spät kommt ertrinkt Drei Pinguine im ewigen Eis: Hier passiert nicht viel, außer hin und wieder ein dummer Streit darüber, wer am heftigsten nach Fisch stinkt und über die Existenz Gottes. Dem sei aber nicht viel eingefallen, Schnee und Eis, wohin man schaut, so eine stets zweifelnde Pinguindame (Sabrina Rupp). Als sie gar aus Versehen eine Schmetterling zerdrückt, beginnt der Streit von neuem: Gott sieht alles, weiß alles und will schon gar nicht, dass man tötet – meinen die zwei anderen Pinguine (Katharina Halus, Wenzel Brücher). Während sich ihre Freundin schmollend verzieht, werden die beiden von einer Taube (Markus Pendzialek) darüber informiert, das Gott jetzt genug hat vom derzeitigen Zustand der Welt und mit Hilfe einer Sintflut noch einmal von vorne beginnen will. Die Arche Noah steht bereit, Tickets gibt es aber nur für zwei Tiere aus jeder Gattung. Den beiden aber ist trotz Streit klar: Alle drei müssen auf die Arche, schließlich sind sie Freunde und überhaupt: Wie kann es Gott zulassen, dass nur Auserwählte nicht ertrinken? Auf der Arche um acht – 2006 von Ulrich Hub als Auftragsarbeit zum Thema „Gott“ verfasst – ist ein Stück über echte Freundschaft und die großen Fragen der Menschen und Pinguine: Warum ist die Welt so, wie sie ist – manchmal ungerecht und schlecht? John F. Kutils Inszenierung ist klug und komödiantisch-rasant. Die vier jungen Schauspieler spielen und singen enthusiastisch und absolut liebenswert. Vor allem Sabrina Rupp als grantelnde Pinguindame und Markus Pendzialek als völlig überforderter Tauben-Schiffssteward sind gesanglich hinreißend. 60 feine Theaterminuten, nicht nur für Kinder.
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| Darwins Erbe |
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Vorbericht: Neues Volksblatt, Kultur, 28. Oktober 2011 Theater: „Darwins Erbe“ in heutiger Zeit Julien, Sohn wohlhabender Eltern, ist diesen Sommer allein zuhaus. Dummerweise ist er auf Georgie hereingefallen, der ihm die Teilnahme an einem Pyramidenspiel schmackhaft gemacht hat. Julien hat sich dafür Geld geliehen, von Luc, dem „Geschäftemacher“, und Jacques, seinem besten Freund. Nur mehr drei Stunden Zeit bleiben ihm, um das Geld aufzutreiben ... Was das alles mit „Darwins Erbe“, so der Titel des preisgekrönten Jugendstücks der Kanadierin Evelyne de la Chenelière (* 1975), zu tun hat? Nun, beim fieberhaften Überlegen kommen Julien auch existenzielle Gedanken wie der: Läuft die natürliche Auslese beim Menschen nur über Geld? Die österreichische Erstaufführung des Einstünders für alle ab elf Jahren, die heute um 19.30 Uhr über die Landestheater-Bühne im Linzer u\hof: geht, inszeniert Michael Schachermaier. Für ihn ist es wichtig, besonders in der „gefürchteten Altersgruppe der 11- bis 13-Jährigen, in der es noch Kids gibt, die Puppen und Lego spielen, aber auch solche, die bereits in der Pubertät sind“, diese „abzuholen, wo sie stehen“. Das Bühnenbild hat Julia Kopa als Großstadt-Spielplatz und Baustelle gestaltet. Darin spielen zwei „Neue“: Florian Stohr und Bernhard Georg Rusch.
Rezension: Neue Kronenzeitung, Kultur, 30. Oktober 2011 u\hof:-Premiere von „Darwins Erbe“ Anspruchsvolle Kost von Claudia Tröster Durchaus anspruchsvolle Kost setzt der Linzer u\hof: der Zielgruppe seiner jüngsten Produktion „Darwins Erbe“ vor. Regiert einzig Geld unsere Gesellschaft? Wie viel hält eine Freundschaft aus? Fragen, die sich nicht nur, aber auch Jungendliche ab 11 Jahren stellen (sollten). Eine gelungene Premiere! Das Jugendstück sieht man der Inszenierung von Michael Schachermaier auf den ersten Blick gar nicht an. Die Freunde Julien und Jacques treffen sich in den Ferien auf einem Spielplatz oder einer Baustelle (Bühne und Kostüm: Julia Kopa). Die Kanadierin Evelyne de la Chenelière (Übersetzung: Gerda Poschmann-Reichenau) hat zwei Themenstränge für sie geschaffen. Julien beschäftigt zum einen Darwins Evolutionstheorie, zum anderen hat er ganz konkrete und bedrohliche Geldprobleme. Er hat erfolglos in ein Pyramidenspiel investiert. Nicht nur eigenes Kapital, sondern auch das mühsam Ersparte seines Freundes Jacques und das von einem Drogendealer geliehene Geld. Und jetzt ist Zahltag … Und so wechseln die Dialoge zwischen Philosophischem und der ganz konkreten Angst vor dem Schuldeneintreiber. Dabei werden auch die gesellschaftlichen Barrieren zwischen dem aus vermögendem Haus stammenden Julien und seinem Freund, dessen Mutter nicht einmal genug Geld hat, den kranken Hund einschläfern zu lassen, sicht- und dank der beiden jungen Darsteller auch spürbar. Bernhard Georg Rusch (Julien) und Florian Stohr (Jacques) sind ernsthaft in ihrem Auftreten geben der Inszenierung aber eine glaubwürdige jugendliche Dynamik. Wie gesagt: „Darwins Erbe“ ist keine leichte Kost für das Jugendtheater, aber ein durchaus geeigneter Versuch, junge Menschen zum Nachdenken anzuregen. Bravo!
Rezension: Neues Volksblatt, 31. Oktober 2011 Darwin und das liebe Geld Österreichische Erstaufführung: Jugendstück „Darwins Erbe“ von Evelyne de la Chenelière für alle ab 11 Jahren im Linzer u\hof: von Andreas Hutter Summer in the City. Julien, Scheidungskind aus wohlhabender Familie, hat sich in den Ferien mit allerei Schwindeleien ein paar Wochen allein zuhause ergaunert. Sein ungleich ärmerer Freund Jacques dagegen hat nicht einmal das Geld, um seinen krebskranken Hund einschläfern zu lassen. Auf einer verlassenen Baustelle schlagen die beiden die Zeit tot mit Gesprächen über Fahrräder und Familie, Schule und Mädchen, Geld und Pyramidenspiele. Über letzteres vor allem, denn dabei hat Julien nicht nur seinen eigenen Kies verloren, sondern auch das mühsam für einen Drahtesel Angesparte seines Freundes, das er mit dem Sammeln von Pfanddosen verdient hat. Dazu noch 250 Flocken von Luc, einem stadtbekannten Schläger und Drogendealer. Nur noch drei Stunden …. Dann müssen 500 Mäuse, Piepen oder Kröten her. Sonst gibt es gewaltigen Stunk mit Luc. Dabei kommen Julien immer wieder die Theorien des Forschers Charles Darwin in den Sinn: De Mensch stammt vom Affen ab und entwicklungsgeschichtlich haben stets die der Umwelt am besten angepassten Arten überlebt. Wer aber kommt in der modernen Leistungsgesellschaft weiter? Regiert nur mehr Geld die Welt oder was? Am lieben Geld droht auch die Freundschaft der sozial so Unterschiedlichen zu zerbrechen. Die kanadische Dramatikerin Evelyne de la Chenelière (*1975) begleitet in ihrem Bühnendebüt zwei Halbwüchsige ein kleines Stück weit durch den Dschungel des Erwachsenwerdens. Es ist eine lehr-, stellenweise aber auch etwas wortreiche und kopflastige Geschichte, die sie ihre beiden Protagonisten da eine Stunde lang spielen und erzählen lässt. Michael Schachermaier hat das im sehr gelungenen, käfigartigen Bühnenbild von Julia Kopa aber recht flott und jugendlich aufgedreht inszeniert. Die jungen Gast-Schauspieler Bernhard Georg Rusch (Julien) und Florian Stohr (Jacques) bringen die zwei „Kids“ authentisch, glaub- und lebhaft über die Rampe. Nicht nur für alle ab elf Jahren!
Rezension: OÖNachrichten, Kultur, 31. Oktober 2011 Theater: „Darwins Erbe“ im Linzer u\hof:-Theater Regiert einzig Geld die Welt? von Karin Schütze „Darwins Erbe!“: Stück von Evelyne de la Chenelière, Regie: Michael Schachermaier, österr. Erstaufführung im u\hof:, Premiere 28.10. Ein spannendes, aber auch herausforderndes und, weil ab elf Jahren angegeben, möglicherweise überforderndes Stück ist derzeit im u\hof:-Theater für junges Publikum zu sehen. „Darwins Erbe“ schildert drei Stunden im Leben zweier Jugendlicher: Julie, Sohn einer wohlhabenden Familie, und Jacques aus armen Verhältnissen. Zwei Freunde, die durch dick und dünne gehen und gemeinsam ein Problem zu meistern haben: Julien hat sich bei einem Pyramidengeschäft verspekuliert und Schulden beim dubiosen, gefürchteten Luc. Die Stunde der Wahrheit, die vermeintliche Geldrückgabe, naht … Bis dahin gibt es viel zu sinnieren, zu diskutieren, über Gott und eine Welt, in der „nur die Kohle zählt. Die natürliche Auslese läuft bei den Menschen über die Kohle“, sagt Jacques. Über Chancengleichheit, den Konflikt zwischen Arm und Reich, Arterhaltung, das Dasein als ungeplantes – oder gar ungewolltes? – Kind, über Sex und Abtreibung. Über viel Wichtiges, mitunter schon zu viel. Mit Inbrunst gespielt Der Bad Ischler Regisseur Michael Schachermaier erzählt die Bewährungsprobe tempo- und ideenreich mit viel Witz, aber ohne überflüssige Blödelei. Bühnenbildnerin Julia Kopa hat eine Baustalle mit Starkstromkabeln geschaffen, die beklettern und berutscht werden: ein abenteuerliches Ambiente. Vor allem darstellerisch ist die einstündige Aufführung packend: Bernhard Georg Rusch verleiht Julien etwas melancholisch Sinnierendes, zaghaft Verzagtes. Florian Stohr ist der mit dem Härten des Lebens vertraute Jacques, beide ein vor Spielfreude strotzendes Duo, das seine Rollen mit derselben Inbrunst lebt mit der es auch bei der Affen-Imitation – dem Freundschaftsritual – fesselt. Ein kluges Stück, gelungen inszeniert und packend gespielt, das auch Erwachsene ganz schön fordert, dessen Altersangabe aber doch überdenkenswert wäre.
Rezension Bezirksblatt Hofkirchen, Kultur, 29. Februar 2012 von Günther Punz In dem mehrfach ausgezeichneten Jugendstück „Darwins Erbe“, das auf die Stimmung der Heranwachsenden abgestimmt ist, stellen sich die beiden Hauptdarsteller Julien (Bernhard Georg Rusch) und Jacques (Florian Stohr) die Frage, ob in der menschlichen Gesellschaft tatsächlich das Geld bestimmt, wer sich durchsetzen kann. Freundschaft, soziale Themen und Darwins Lehren vom Überleben werden in diesem Stück auf eindrucksvolle und gekonnte Art in Szene gesetzt, und die Drittklassler der HS Hofkirchen (Theatergruppe) ließen sich gerne von diesem Theaterstück im Linzer u\hof: am 28.2. in den Bann ziehen.
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| Die gandiosen Abenteuer der tapferen Johanna Holzschwert |
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Vorbericht: OÖNachrichten, Kultur & Medien, 22. November 2011 Theaterstück ab 8: Mut und Fantasie "Es ist eine sehr große Qualität, fantasiebegabt zu sein", sagt Nora Dirisamer, die beim Stück "Die grandiosen Abenteuer der tapferen Johanna Holzschwert" Regie führt. Premiere - für Menschen ab 8 Jahren - ist am Mittwoch, 30. November um 19.30 Uhr in der Linzer Landestheaterspielstätte u\hof: Theater für junges Publikum. Die achtjährige Johanna taucht immer wieder ein in solch eine Fantasiewelt, die sich manchmal mit der realen überschneidet. "Johanna liest gerne Bücher, vor allem über das Mittelalter und ihre tapfere Namenskollegin Jeanne d'Arc", sagt Nora Dirisamer. "Es geht im Stück um Mut, um das Überzeugtsein von seinen eigenen Fähigkeiten und darum, sich selbst etwas zuzutrauen." Wichtig für ihre Inszenierung ist auch die Musik (komponiert von Rainer Lanzerstorfer), die vom vierköpfigen Schauspielteam gespielt und gesungen wird.
Rezension: Neues Volksblatt, Kultur, 2. Dezember 2011 Abenteuer im Kopf Premiere: „Die grandiosen Abenteuer der Johanna Holzschwert“ von Michael Bang, Michael Schramm und Sabine Zieser im Linzer \uhof: von Andreas Hutter Die zehnjährige Johanna „hätte die Schule ganz gern, wenn da nicht die blöden Tussis wär'n“. Drei Mitschülerinnen sekkieren sie bis aufs Blut: wegen ihres Familiennamens Holzschwert, und weil sie sich ständig in ihrem Buch über Frankreichs Nationalheldin Jeanne d'Arc vergräbt. Hexen, Schlachten, Mittelalter: Das ist der Stoff, aus dem ihre Tagträume sind, als Leseratte findet sie ihre wahren Abenteuer im Kopf. Doch dann wirft sie im Streit mit den Mädchen eine Fensterscheibe ein. 1750 € Schadenersatz sollen ihre Eltern zahlen! Johanna sucht Trost im Zoo. Drei Erdmännchen prophezeien ihr, dass sie Frankreich befreien soll wie einst ihre Namensschwester. Mit der Ritterrüstung des Bruders zieht Johanna nach Orleans. Aber wird sie auch den Mut haben, den Eltern gegenüber ihren Fehler einzugestehen? Die Linzer Regisseurin Nora Dirisamer hat dieser sehr freien Bearbeitung von Schillers „Jungfrau von Orleans“ (für Kinder ab 8 Jahren) einige gute Einfälle beigefügt. Faszinierend wird etwa „vor Orleans“ im Rhythmus des Filmsongs „Mission impossible“ gekämpft. Manches bleibt durch die vielen Handlungsebenen indes verwirrend: Was ist Johannes Fantasie, was bloßes Kinderspiel, was entspringt dem Buch über Jeanne? Dafür konnte das Abenteuerspiel, das kaum auf dem Scheiterhaufen enden wird, mit einem einnehmenden Bühnenbild (Caroline Stark) punkten, in dem schon mal Polster als Wolken herhalten. Weniger originell die grünen Trainingsanzüge, in denen die vier Akteure in 60 Minuten gut 20 Rollen im wahrsten Sinn des Wortes zu bekleiden hatten. Wahrhaft grandios tat das, auch gesanglich, die quirlig-dynamische Hauptdarstellerin Sabrina Rupp: ein Riesengewinn für den U-Hof! Auch Markus Pendzialek und Wenzel Brücher schlugen sich wacker, nur Katharina Halus blieb diesmal farblos. Schade, dass einer der Protagonisten ein T-Shirt mit der Aufschrift „Verpisst Euch!“ tragen muss — das sollte hierzulande auf gut Österreichisch „Schleicht's Euch“ heißen ...
Rezension: OÖNachrichten, Kultur & Medien, 2. Dezember 2011 Theater: Für Menschen ab 8 im u\\hof: In einer anderen Welt von Silvia Nagl Die grandiosen Abenteuer der tapferen Johanna Holzschwert: Stück (ab 8) von M. Bang/M. Schramm, S. Zieser; Landestheater Linz (u\\hof: für junges Publikum). Premiere am 30. November Da geht ganz schön die Post ab bei dieser dynamischen Inszenierung von Nora Dirisamer, die im wandelbaren Bühnenbild von Caroline Stark auch das Schauspielteam nicht schont. Die vier Darsteller müssen in Sekundenschnelle in verschiedene Rollen schlüpfen und auch auf den sich sogar zu Burgen, Wällen und Schlachtfeld wandelnden Bühnenbauten herumturnen und -rutschen. Sabrina Rupp ist das fantasiebegabte Mädchen Johanna, das sich immer wieder in eine andere Welt träumt: unglaublich, wie viel Power und Temperament in dieser kleinen Person steckt! Ihre funkig-soulige Stimme, die bei den Musikarrangements von Rainer Lanzerstorfer gut zur Geltung kommt, ist große Klasse. Dieses Energiebündel ist Teil eines spielfreudigen und quirligen Ensembles: Katharina Halus, Wenzel Brücher und Markus Pendzialek. Wenn auch das sehr junge Publikum nicht weiß, wer Jeanne d'Arc ist (das wird im Spielverlauf erklärt) oder eine Jungfrau (das wird nicht erklärt...) - sei's drum, vergnüglich ist es allemal, dem flotten Treiben zuzuschauen. Und Johanna vermittelt glaubwürdig, dass man vor nix und niemandem Angst haben muss, und dass Erwachsene sich auch manchmal recht locker verhalten können. Eine kurzweilige Theaterstunde mit überbordender Fantasie zum Weiterträumen daheim.
Rezension: Neue Kronenzeitung, 2. Dezember 2011 Erstaufführung eines „grandiosen Abenteuers“ im u\hof: Johannas Flucht in die Fantasie Der Linzer u\hof: ist derzeit der Spielplatz (oder das Schlachtfeld?) für „Die grandiosen Abenteuer der tapferen Johanna Holzschwert“. Der sperrige Titel erklärt sich schnell mit der Vorliebe der kleinen Johanna: Sie verschlingt das Buch mit den Geschichten der Johanna von Orleans und tagträumt ein wenig vor sich hin … So ein junges Mädchen hat’s echt nicht leicht: geprüft mit einem schrulligen Bruder, die Eltern – naja, eh halbwegs ok. Dafür ordentlich geplagt von den tussihaften Mitschülerinnen – da können einem schon manchmal die Nerven durchgehen. Johanna, verkörpert von einer wunderbaren, auch stimmlich überzeugenden Sabrina Rupp, sucht ihr Dilemma mit „Flucht“ zu lösen – in ihrer Fantasie wird sie selbst zur tapferen Jeanne d’Arc. Und irgendwie löst die tapfere Heldin dann auch noch ihre ganz alltäglichen Probleme … Nora Dirisamer stellt mit nur vier (prächtigen) DarstellerInnen einen ganzen Figurenkosmos auf die Bühne: Katharina Halus, Wenzel Brücher und Markus Pendzialek meistern insgesamt 24 verschiedene Rollen! Caroline Stark baut dafür eine Bühne wie aus dem Bilderbuch. Was sie sich bei den hässlichen Trainingsanzügen dachte, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Trotzdem: eine feine Sache!
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| A Clockwork Orange |
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Vorbericht: OÖNachrichten, Kultur & Medien, 23. Februar 2012 Vorschau: "A Clockwork Orange" Gewalt und Brutalität von Silvia Nagl Vor 50 Jahren war der Roman ein Aufreger: "A Clockwork Orange" von Anthony Burgess. Noch viel mehr aber hat der Film von Stanley Kubrick 1971 aufgeregt, von manchen als Verherrlichung von Gewalt interpretiert. Kubrick zog den Film nach einem Jahr zurück, weil er mit dem Vorwurf, er stifte Jugendliche zur Nachahmung an, konfrontiert wurde und es auch Morddrohungen gegen ihn gegeben hatte. "A Clockwork Orange" ist trotzdem zum Kultfilm einer Generation geworden, die brutalen Szenen gehen jenen, die den Film gesehen haben, nicht mehr aus dem Kopf. Zum Erscheinungsjubiläum des Romans setzt das Landestheater Linz dieses Stück auf den Spielplan - für Menschen ab 16 Jahren. Blutiger Ernst "Natürlich geht es um Gewalt", sagt Regisseur John F. Kutil, "und wir sehen uns ja auch täglich in den Nachrichten viel Gewalt an, lesen dann einen Krimi im Bett oder schauen uns einen Krimi mit einem Serienkiller an." Er hat das Stück "gestrafft auf rund 100 Minuten Spieldauer. Es soll kein ,leiwander' Action-Film werden, sondern schon klar sein, dass aus einer Rangelei auch blutiger Ernst werden kann." Hauptfigur Alex ist Anführer einer Gang, er sucht den Kick in Gewalt und Drogen. Jeden Abend gehen er und seine Freunde ihrer Lieblingbeschäftigung nach: Schlägereien, Raub, Vergewaltigung, Mord. Als Alex ins Gefängnis kommt, meldet er sich als Versuchsperson für eine neue Behandlungsmethode, die aus ihm einen anständigen Menschen machen soll ... "Das ist eine große Geschichte mit einem großen, 15-köpfigen Ensemble", sagt Kutil, der das Stück mit Schauspielern aus dem Jugendtheater u:hof\\ und dem Landestheater-Ensemble erarbeitet. Auch ein Kampfchoreograf, der Wiener Josef J. Borbely, ist mit dabei und für die "sensible Brutalität" zuständig, "damit Gewalt auf der Bühne zwar realistisch wirkt, aber sich keiner dabei verletzt."
Vorbericht: Neues Volksblatt, Kultur, 22.Februar 2012 Jugendschocker in Kammerspielen Der Roman machte seinen Autor Anthony Burgess (1917-1993) vor genau 50 Jahren schlagartig berühmt. Die Verfilmung durch Stanley Kubrick wurde 1971 überhaupt zum Welterfolg: „Uhrwerk Orange“, damals „als Utopie in naher Zukunft angelegt, die uns mittlerweile längst überholt hat“, wie Regisseur John F. Kutil meint, der an den Linzer Kammerspielen die Bühnenfassung inszeniert. Premiere ist am 25. Februar (19.30 Uhr), dem 95. Geburtstag von Autor Burgess. Er hat in „A Clockwork Orange“ die Zukunft vorausgesehen: Alex, 16 Jahre alt und aus gutem Hause, sucht als Anführer einer Gang den Kick in Gewalt und Drogen. Jeden Abend trifft er sich mit seinen „Droogs“ zu seiner Lieblingsbeschäftigung: Schlägereien, Raub, Vergewaltigung und Mord. Man erinnert sich angesichts dieses Stoffes an jene Jugendlichen, die 2009 in der Münchner U-Bahn den Manager Dominik Brunner zu Tode prügelten ... Bei Burgess wird Alex ebenfalls geschnappt, aber im Gefängnis einer Gehirnwäsche unterzogen, die ihn nur noch Gutes tun lässt, aber gleichzeitig völlig willenlos macht. Kutil bringt die Story für Besucher ab 16 Jahren mit großem Aufwand auf die Bühne: 15 Darsteller, angeführt von Wenzel Brücher als Alex, die in 100 pausenlosen Minuten in insgesamt 60 Kostüme (von Natascha Wöss) schlüpfen. All das in einer großzügigen, von Reinhard Taurer realisierten offenen Raumlösung, zu deren Konzept auch Umbauten auf offener Bühne gehören. Um die körperliche Gewalt glaubhaft darstellen zu können, wurde mit Josef J. Borbely ein Top-Kampfchoreograf engagiert. Nach dem Motto „Das ist ja leiwander als ein Actionfilm“ will der Wiener Kutil, der auch die Landestheater Jugendspielstätte u\hof: leitet, das junge Publikum verführen, bis „das Ganze kippt und gar nicht mehr lustig ist“.
Vorbericht: Kronen Zeitung, lokal, 22.Februar 2012 Premiere von "Clockwork" Vor 50 Jahren schrieb Anthony Burgess seinen Roman "A Clockwork Orange". Der Stoff sorgte damals für hitzige Debatten - und wird es wohl auch diesmal wieder tun. John F. Kutil inszeniert das Schauspiel für ein Publikum ab 16 Jahren. Premiere in den Linzer Kammerspielen ist am 25. Februar - da wäre Anthony Burgess 95 Jahre alt geworden. Kutil hat den Stoff, der in der Verfilmung von Stanley Kubrick (1971) zur Legende avancierte, "ordentlich gestrafft" und möchte in der Theaterfassung mit 100 Spielminuten auskommen: "Ich will nicht voyeuristisch sein. Aber Gewalt ist Realität und auch irgendwie faszinierend, wenn wir ,zur Entspannung‘ einen Krimi lesen", gibt Regisseur Kutil zu bedenken.
Vorbericht: Österreich, OÖ live, 25. Februar 2012 50 Jahre nach Bucherscheinung: Kultstück auf Linz-Bühne Premiere: A Clockwork Orange Das Landestheater bringt bissige Gesellschaftssatire in den Kammerspielen Linz. Das Stück A Clockwork Orange nach dem Roman von Anthony Burgess ist seit der Verfilmung von Stanley Kubrick Anfang der 70er-Jahre Kult. Die Inhalte und provozierenden Fragen sind nach wie vor aktuell und stehen immer wieder im öffentlichen Diskurs, wenn es darum geht zu klären, zu welchen Strafmitteln der Staat gegenüber insbesondere jugendlichen Straftätern berechtigt ist. Am Landestheater Linz inszeniert u\ hof:Leiter John F. Kutil die Parabel von Alex, dem gewalttätigen Intellektuellen mit ausgeprägtem Hang zu klassischer Musik, der am Ende selbst zum Opfer wird. Heute um 19.30 Uhr wird Premiere in den Kammerspielen gefeiert.
Rezension: OÖNachrichten, Kultur & Medien, 27. Feburar 2012 Clockwork Orange: Klein Alex' große Horrorshow von Silvia Nagl Das Buch von Anthony Burgess war in den 60ern ein Aufreger, ebenso 1971 der Film von Stanley Kubrick, der bald zum Kultfilm avancierte. Das Theaterstück hat es also nicht leicht, sich in diese Erfolgsgeschichte einzuordnen. Muss und kann es auch nicht. Die Inszenierung am Landestheater Linz ist jedenfalls sehr gelungen. Die Filmbilder haben sich fest ins Gedächtnis gebrannt. Beim Versuch, diese derart ästhetisch aufbereiteten Gewaltorgien auszublenden, hilft die flotte, temporeiche, homogene und auch für Nicht-Insider sehr schlüssige Aufführung sehr. Kampfchoreograph (sic!) Josef J. Borbely hat gute Arbeit geleistet: Das ist nicht, wie manchmal am Theater, patscherte Haudaneben-Drescherei samt lautem Auweh-Gebrüll, sondern gut getimtes Abstoppen vor dem finalen Fußtritt oder Faustschlag. Da könnte zwar manch blauer Fleck bleiben, was keinem zu wünschen, aber der eindringlichen Wirkung zumindest förderlich ist. Von der ersten Sekunde suggeriert ein Video (Bernd Kranebitter) auf der nackten Bühnenhinterwand, dass sich hier eine kleine Figur in einem blutroten Albtraum verliert. Es ist also gar nicht so sicher, ob real oder Traum - oder beides? Alex, noch keine 16, ist Boss seiner Band Droogs, die abends loszieht, um im Dunkel der Nacht Penner zu verdreschen, Leute auszurauben, zu vergewaltigen, schließlich sogar zu morden. Alex kommt ins Gefängnis, wird mit Hilfe einer fragwürdigen Methode einer Gehirnwäsche unterzogen und als seelischer Krüppel wieder in die "Freiheit" entlassen. Regisseur John F. Kutil hat für seine Bühnenversion (ab 16) gestrafft und gestrichen, was dem Verständnis jedoch keinen Abbruch tut. Am meisten mag wohl die Sprache - eine Mischung aus Englisch und Russisch, von Autor Burgess "Nadsat" genannt - verwirren, aber einmal eingehört, dürfte das auch in der deutschen Übersetzung keine Probleme machen. Das Darstellerteam - bestehend aus dem Ensemble des u\hof:, Mitgliedern des "großen" Landestheater-Schauspiels und Gästen - lässt er der Vorlage entsprechend an der Grenze zur Groteske, jedoch diese nie überschreitend, agieren. Er weiß um theatertechnische Kniffe wie Licht aus, wenn es ins Peinliche kippen könnte, Szenenwechsel, weil es sonst lächerlich würde, stopp, weil sonst zu brutal. Mit nur wenigen Requisiten lassen sich auch schnelle Orts- und Szenenwechsel gestalten. Diskutieren und nachdenken 15 Personen sind auf der Bühne, die meisten in kleinen und in Mehrfachrollen, mit denen nur wenige einprägsame Charaktere entwickelt werden können, deshalb sei hier ein Pauschallob für deren Einsatz erlaubt. Wenzel Brücher als Hauptfigur Alex ist weniger der Ultra-Brutalo denn nett grinsender Bursche von nebenan, was der Figur wiederum allgegenwärtige Alltagsbösartigkeit gibt. Die Musik (Clemens Pichler) unterfüttert den von Alex geliebten Beethoven mit Beats. Viel "Gulliver" (Hirn) wurde eingesetzt: Das zeigt sich in plausiblen Bühnenumsetzungen wie beispielsweise dem Gehirnwäsche-Apparat, aber auch in kleinen, feinen Andeutungen (Stadtwache Linz, Gefängnis Guantánamo, ...) bei den Kostümen (Natascha Wöss). Ein 100 Minuten dauernder Abend mit Tempo, jedoch ohne Hudelei. Zum Diskutieren und Nachdenken.
Rezension: Kronen Zeitung, lokal, 27.Februar 2012 Altersloser "Gewalt-Klassiker" von Milli Hornegger So schauen böse Buben aus: Wenzel Brücher spielt in "A Clockwork Orange" den Alex, der bekanntlich eine Vorliebe für Beethoven hegt. In den Kammerspielen steht der leibhaftig auf der Bühne (Wolfgang Dürnberger). Kostüme von Natascha Wöss. Kutil wollte in seiner Inszenierung nicht voyeuristisch sein, aber der Realität durchaus ins Auge schauen. Das ist ihm mit seinem Team perfekt gelungen. In der offenen Raumlösung (Reinhard Taurer) schaut man direkt in den Bauch der Maschinerie. Das schafft sowohl Platz für die speziell choreografierten Kämpfe der Gangs wie auch für geschickte Videozuspielungen. Die Musik von Clemens Pichler holt das junge Publikum wohl am richtigen Platz ab. Das Ensemble ist riesig und bis in kleinste Statisterie-Rollen hervorragend gecoacht. Wenzel Brücher spielt den Alex als echt bösen Buben. Die dämonische Faszination, warum ausgerechnet er der Capo dieser Gang sein soll, bleibt er für mich aber über weite Strecken schuldig. Erst als er selbst zum Opfer des Systems wird, macht er seine Stärken sichtbar. Und auch einige der wesentlichsten Fragen von Burgess' Stoff werden nur im Programmheft gestellt. Ist man ohne freien Willen noch ein Mensch? Darf Gewalt mit Gewalt bestraft werden? Nur der Pfarrer (Thomas Kasten) spricht das einmal kurz an - da hätte ich mir gewünscht, dass man das noch mehr herausarbeitet.
Rezension: Neues Volksblatt, Kultur, 27. Februar 2012 „Gewalt steckt schon im Bauplan dieser Welt“ Premiere: „A Clockwork Orange“ nach dem Roman von Anthony Burgess und dem Film von Stanley Kubrick in den Linzer Kammerspielen von Andreas Hutter Ihre Science-fiction-artigen Kostüme (von Natascha Wöss) erinnern an Schutzanzüge von AKW-Arbeitern. Und so explosiv wie die Kernspaltung in einem Atomkraftwerk sind der 15-jährige Alex und seine Kumpane von der Jugendgang „Droogs“ auch: Nachts suchen sie den Kick in Gewalt an Wehrlosen, Raubüberfällen und Vergewaltigung. Auch den Drogen sind die Droogs nicht abhold. Als Alex, der's gern „ultra-brutalo“ mag und seine volle Dröhnung „Horrorshow“ am liebsten zur Musik von Beethoven auslebt, einen Mord begeht, verpfeifen ihn die anderen. Der Täter als Opfer seiner einstigen Opfer Im Gefängnis verdingt er sich als Versuchskaninchen für eine neue staatliche Behandlungsmethode: Die „Ludovico-Technik“ macht den bald vorzeitig entlassenen Täter draußen nun selbst zum braven, aber auch wehr- und willenlosen Opfer seiner einstigen Opfer ... Soll jugendliche Gewalt mit staatlicher Gewalt beantwortet werden? Das war eine der Hauptfragen, die sich Anthony Burgess 1962 in seinem Roman stellte. Sie ist heute aktueller denn je. Denn die Zukunft von damals —unsere Gegenwart von heute — hat die einstige Fiktion längst überholt: Auch in einem Münchner S-Bahnhof wurde 2009 ein Mann von Jugendlichen zu Tode gebracht, ja selbst in der Linzer Altstadt schon ein Polizist zu Tode geprügelt. Nur recht und billig, dass u\hof:-Chef John F. Kutil in seiner rasanten, kurzweiligen Inszenierung auf derlei Aktualität Bezug nimmt: So tragen die Polizisten bei ihm rote Jacken wie die Linzer Stadtwache, und die Häftlinge stecken nicht nur des Stücktitels wegen in oranger Sträflingskleidung, sondern auch in Anspielung auf das US-Lager Guantanamo. Auch sonst wartet Kutil mit einer Fülle guter Regieideen auf: Die Darsteller mutieren zwischendurch zur Stereoanlage, die finale Orgie der Gewalt lässt er als Schlussszene eindrucksvoll in Zeitlupe und Stroboskop-Licht spielen. Davor freilich kämpfen sich die 15 Darsteller bisweilen auch recht realistisch durch 60 Rollen und 100 pausenlose Minuten. Das minimalistische Bühnenbild (Reinhard Taurer), das die vielen Schauplatzwechsel per Kulissen nur andeuten kann, bietet natürlich in erster Linie Wenzel Brücher viel Raum für seine intensive, dämonische Darstellung des Alex. Neben ihm ragen vielleicht noch der kaum weniger bösartige „Droogie“ Aurel von Arx, Katharina Bigus als akkurate Ministerin und Manuel Klein als witzig-überzeichneter Polizist aus dem engagiert zu Werke gehenden Ensemble.
Rezension: Kurier, Chronik, 26. Februar 2012 "Gewaltoper" feierte große Premiere in Linz Bei vollem Haus ging gestern, Samstag, die Premiere von "A Clockwork Orange" in den Linzer Kammerspielen über die Bühne. "Es ist ein bisschen so wie Weihnachten. Man weiß nicht, was man kriegt, aber man hofft, es ist schön", sagte der Regisseur John F. Kutil, bevor der Vorhang aufging. Schon bei der öffentlichen Probe am Mittwoch erfreute sich das Team eines euphorischen Publikums, mit 170 Personen mehr als erwartet. Bei Proben verbeuge man sich nicht, erklärt Kutil. Das sei ein alter Theateraberglaube. Offenbar hat es Glück gebracht, denn das Stück nach dem Roman von Anthony Burgess erlebte einen fulminanten Start. Vorbild Es sind große Fußstapfen, in die das Linzer Landestheater mit der Inszenierung von "A Clockwork Orange" steigt. Der Kultfilm von Regisseur Stanley Kubrick aus dem Jahr 1971 ist vielen als bildgewaltiger, mitreißender Streifen im Gedächtnis, weiß auch der Theaterregisseur. "Ich will und kann mich nicht mit Kubrick messen und habe es bewusst vermieden, mich an seinem Meisterwerk anzulehnen." Im Stück geht es um den 15-jährigen Alex aus gutem Hause, der Beethovens Neunte Sinfonie liebt. Alex ist aber nicht nur hochintelligent, sondern auch höchst brutal, denn als Anführer einer Gang sucht er den Kick in Gewaltorgien und Drogen, bis er für seine Taten ins Gefängnis kommt. Nach der Haft wird er einer Gehirnwäsche unterzogen, die ihm die Aggressivität austreibt und ihn zu einem "perfekten Menschen" macht. Gewaltoper "A Clockwork Orange" sei eine "Gewaltoper", oder eher eine Parabel, meint Regisseur Kutil. Der Hauptdarsteller, der 30-jährige Wenzel Brücher schaffe es, dem Publikum den diabolisch-entrückten Teenager Alex unter die Haut gehen zu lassen. Der Kampfchoreograf Josef J. Borbely gestaltete die Gewaltszenen, die ein zentraler Punkt des Stücks sind und die man auch aus dem Film noch eindrucksvoll in Erinnerung hat.
Rezension: Der Standard, Bundesland, 28. Februar 2012 Horrorschau mit Klamauk von Wiltrud Hackl John F. Kutil inszenierte „A Clockwork Orange“ von Anthony Burgess an den Linzer Kammerspielen ein wenig gar lauwarm. Linz - Eine vieldiskutierte Romanvorlage auf der einen Seite, auf der anderen ein fast übermächtiger Film, der sich in die Popkultur eingebrannt hat - die Bühnenfassung von A Clockwork Orange hat es nicht leicht, sich gegen dieses Elternpaar durchzusetzen. John F. Kutil geht in den Kammerspielen aber sowieso den Weg des geringsten Widerstands: Er reduziert die Geschichte um den gleichermaßen intelligenten wie bis zur äußersten Brutalität bereiten „noch nicht einmal 16-jährigen“ Alex und seine Droogs auf Jugendkriminalität und Staatsgewalt.Alex aber zieht seine von Gewaltexzessen geprägten Kreise im wohligen Gefühl, sich dafür entschieden zu haben, auch weil er Beethoven, dessen Musik bei ihm noch größere Lust auslöst, ultrabrutal zu sein, auf seiner Seite sieht. Weder lässt er sich durch Haft noch durch psychologische Konditionierung gleichschalten - Alex ist böse, weil er böse sein will. Dass Burgess mit A Clockwork Orange durchaus auch einen literarischen Beitrag geliefert hat zu jenem philosophischen Streit darüber, ob das Böse dem Menschen immanent sei oder er sich aus freiem Willen dafür oder dagegen entscheiden könne, davon ist in dieser Inszenierung keine Rede. Vielmehr wird hier ein bisschen klamaukige Horrorschau gezeigt, ein bisschen auf den Staat hingehauen, ein bisschen auch auf Eltern, die nicht zuhören, und es werden hanebüchene Bezüge hergestellt: „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich“, singen die Häftlinge, deren Anzüge - so der Regisseur - „nicht ohne Grund orange sind, sie sollen nämlich auf Guantánamo verweisen“.Positiv hervorzuheben sind Wenzel Brücher als Alex und ein durchdachtes Bühnenbild, das sich von Bildern des Films - schwer genug - unabhängig macht. Der Inszenierung hingegen fehlt es an Schärfe und Mut.
Rezension: Was ist los, 02. März 2012 Klassiker voll Gewalt und hoher Aktualität von Reinhold Gruber Vor 50 Jahren schrieb Anthony Burgess "A Clockwork Orange". Sein berühmtester Roman, in dem Gewalt zentrales Thema ist, löst bis heute hitzige Debatten aus. Ein junges Theaterpublikum ab 16 Jahren will John F. Kutil mit seiner Inszenierung des Klassikers in Linz ansprechen. Die Geschichte um Alex, der mit seinen drei Freunden täglich auf Gewalttour geht und vor nichts zurückschreckt, war schon vor einem halben Jahrhundert ein Aufreger. Alex wird bei einem der nächtlichen Gewaltexzesse verraten, landet im Gefängnis und entschließt sich freiwillig, Teil einer zweifelhaften Versuchsmethode für Schwerverbrecher zu sein. Mittels Gehirnwäsche sollen diese Menschen auf den guten, den richtigen Weg im Leben gebracht werden. Die Idee, den Klassiker für die Bühne zu adaptieren, hatte Dramaturgin Anke Held. Regisseur Kutil fand Gefallen daran, frischte sein Wissen auf, in dem er sich das Buch, das er vor mehr als 20 Jahren gelesen hatte, wieder zu Gemüte führte. Und er sah sich auch die berühmte Verfilmung des Romans aus dem Jahr 1971 an, die bildgewaltig und revolutionär war. Kutil wollte aber nicht den Film nacherzählen. "Dafür war es notwendig, sich von all den Bildern, die man vielleicht hatte, zu trennen, und neue zu finden." Denn schließlich wollte Kutil in keine Konkurrenzsituation zum Film treten, sondern eine eigene Geschichte erzählen. Den Roman für die Bühne zu adaptieren, hatte für den Regisseur aber auch viel mit der Aktualität des Stoffes zu tun. "Was bei Anthony Burgess als eine in naher Zukunft spielende Utopie dargestellt war, hat uns heute in der Realität längst überholt." Alles, was der Film vor 41 Jahren prognostiziert habe, sei mittlerweile eingetreten. Umgekehrt gebe es Studien, dass die Gewalt rückläufig sein soll, was sicher an einer höheren Sensibilisierung in Mitteleuropa für Gewalt und ihre Auswirkungen liegt. Gleichzeitig könne man aber nicht unter den Tisch kehren, dass Mobbing unter jungen Menschen ein großes Thema ist. Der Autor - der 1993 verstorbene Burgess - wäre am 25. Februar 95 Jahre alt geworden - ist für Regisseur Kutil an sich schon ein spannender Mensch gewesen. "Faszinierend an Burgess finde ich, dass bei ihm ein Gehirntumor diagnostiziert wurde und er sich dachte, dass er nur mehr ein Jahr zu leben hätte. Daraufhin hat er wie ein Wahnsinniger zu schreiben begonnen und hat dann eh noch 20 Jahre lang gelebt." So entstand also auch "A Clockwork Orange", ein Klassiker der Moderne, der immerwährend gültig ist. Burgess hat darin Themen angesprochen, die allgemein gültig sind. Wie gehe ich mit Gewalt um oder was setze ich dem entgegen? Was ist ein vernünftiger Strafvollzug? Und es geht auch um die Frage des freien Willens. Ein zentraler Satz in dem Stück ist für Kutil daher dieser: "Wenn der Mensch nicht mehr frei entscheiden kann, hört er auf, ein Mensch zu sein." Es gehe also auch darum, ob eine vermeintliche Staatsmacht als Vertreter der Opfer das Recht besitze, einem Menschen den Willen zu nehmen, indem es dessen Hirn auslöscht. "Theater ist immer Behauptung", sagt Kutil, der sich darum bemüht, dass auf der Bühne Leben gespielt wird. "Diese Geschichte ist eine wahnsinnige Behauptung, die letztlich von Alex lebt, einer faszinierenden Persönlichkeit, in dem sich rohe Gewalt, aber auch eine sehr hohe Intelligenz zu einer explosiven Mischung verbindet. Deshalb kann man sich dem Stück nicht entziehen." Kutil persönlich befürworte keine Gewalt, hat sich aber dennoch darum bemüht, die Geschichte authentisch zu erzählen. Ohne Zeigefinger. Geredet wird darüber aber sicher. Das soll es auch.
Rezension: Linz Tips, Style, 9. Woche 2012 Jugendgewalt als Thema: „A Clockwork Orange“ von Valerie Himmelbauer LINZ. Mit dem Theaterstück „A Clockwork Orange“ spricht das Landestheater in Zusammenarbeit mit dem u\hof: Theater für junges Publikum das Thema „Gewalt unter Jugendlichen“ an. Kampfszenen wie in einem Actionfilm, nur live im Theater erwarten Jugendliche ab 16 Jahren derzeit in den Linzer Kammerspielen. Regisseur John F. Kutil zeigt eine gestraffte Inszenierung, welch die Geschichte des gleichnamigen Films von Stanley Kubrick aufgreift. Leute verprügeln, beschimpfen und bestehlen, auch vor Vergewaltigung und Mord schrecken Alex und seine Jungs nicht zurück. Bei einem der nächtlichen Gewaltexzesse wird Alex von seinen „Droogs“ verraten und landet hinter Gittern. Freiwillig stellt er sich nach zwei Jahren einer neuen zweifelhaften Versuchsmethode für Schwerverbrecher, der Ludovico-Technik, bei der mittels Gehirnwäsche versucht wird, die Leute auf den „richtigen Weg“ zu führen. Die Menschen werden zu programmierten Maschinen, die nur noch Gutes tun können. „Keine Antworten“ Das Stück „A Clockwork Orange“ stellt die zentralen Themen dieses Stücks in den Raum: Zu welchen Maßnahmen ist der Staat gegenüber Schwerverbrechern berechtigt? Darf mit Gewalt bestraft werden, um andere Bürger zu schützen? Ist man ohne freien Willen überhaupt noch ein Mensch? „Unser Theaterstück, und auch der Roman von Anthony Burgess gibt keine Antworten, warum Jugendliche gewalttätig werden, es bleibt dem Zuschauer selbst überlassen, welche Schlüsse er zieht“, erklärt Kutil, Theaterleiter u\hof: für junges Publikum. Die musikalische Gestaltung, für die sich Clemens Pichler verantwortlich zeigt, mixt Klassik und elektronische Musik, „um das junge Publikum abzuholen und Jugendgangs in der Gesellschaft zu beschreiben“, so Pichler. „Mit unserem Stück möchten wir Jugendliche ins Theater verführen. Zuerst zeigen wir einstudierte Kampfszenen, die wie in einem Actionfilm live im Theater stattfinden, in der Folge wird auch dem jungen Zuschauer aber schnell klar, dass diese gezeigte Form der Gewalt in der Realität zuviel des Guten ist“, sagt Kutil. Der eigens engagierte Kampfchoreograf Josef J. Borbely sorgt für die sensible Brutalität: „Die große Frage bei Kampfszenen im Theater ist, wie man die Gewalt realistisch darstellt, ohne übertrieben theatralisch gespielt zu wirken, und die Schauspieler punktgenau in jeder Aufführung zu jeder Zeit, die richtigen Bewegungen machen. Das Verletzungspotential ist hoch, außerdem sind alle Rollen nur einmal besetzt, es herrscht deshalb größte Vorsicht und Disziplin“, berichtet der Kampftrainer. Das u\hof: Ensemble steht in dieser Inszenierung gemeinsam mit Kollegen aus dem Schauspiel und Gästen auf der Bühne. Das Stück kommt mit einer minimalistisch ausgestatteten Bühne von Rainer Taurer aus und bedient sich großformatigen Videoprojektionen (Bern Kranebitter). |
| Welttag des Theaters für junges Publikum |
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Vorbericht: OÖNachrichten, 20. März 2012 Heute wird weltweit der Tag des Theaters für junges Publikum gefeiert von Silvia Nagl Beim Welttag des Theaters für junges Publikum machen in Oberösterreich das Linzer Theater des Kindes und die Landestheater-Spielstätte u\hof: mit. Die OÖNachrichten baten Katharina Halus vom u\hof: und Thomas Schächl vom Theater des Kindes zum Gespräch. OÖNachrichten: Sie arbeiten im Kinder- und Jugendtheaterbereich. Was ist das Spannende, das Herausfordernde daran, für diese Altersgruppe zu spielen? Katharina Halus: Kinder sind ein sehr unmittelbares Publikum. Man merkt sofort, wenn sie nicht mehr mit dabei sind, da wird es im Raum lauter. Erwachsene schauen auch dann noch höflich, wenn sie geistig weit weg sind. Thomas Schächl: Ich stehe auf der Bühne, weil ich auf der Bühne stehen will – für mich macht es kaum einen Unterschied, ob vor Kindern oder Erwachsenen. Ich finde aber, dass die Stücke für Kinder breiter und vielseitiger sind: mit Singen, Springen, Tanzen und Sprache. OÖN: Die meisten Schauspieler wechseln aber trotzdem nach einiger Zeit zum Theater für Erwachsene. Warum? Halus: Das hat sicher damit zu tun, dass Theater für Kinder immer noch ein wenig belächelt wird. Aber auch wir sind ernsthafte und ernst zu nehmende Schauspieler und machen unsere Aufgabe genauso ernsthaft wie die Kollegen aus dem Erwachsenen-Theater. Schächl: Das ist eine insgesamt gesellschaftliche Wahrnehmung, wie eine Karriere auszusehen hat: vom Kleinen ins Große. Theater für Kinder wird zumeist noch immer als Einstieg und als Sprungbrett gesehen. OÖN: Ist dieser Wechsel nicht auch eine Altersfrage? Schächl: Nein, das seh ich nicht so. Ich denke, es ist eher deswegen, weil es kaum Kinderstücke mit älteren Personen gibt. Oder gibt es deshalb wenige Stücke mit Älteren, weil so wenige Ältere in Kindertheatern spielen? Ich stelle mir langsam ja auch die Frage: Ich bin 45, gibt es für mich in den nächsten Jahren auch noch immer gute Rollen im Theater des Kindes? Halus: Ich würde mir auch mehr Stücke für Kinder wünschen mit Fragen und Problemen unserer Zeit, über Alzheimer zum Beispiel. Schächl: Ja genau, es geht auch um andere Themen. Gerade Kinder stellen immer wieder auch sehr philosophische Fragen. Alles, was für Kinder gemacht wird, muss immer bunt und lustig sein. Das ist auch in Ordnung so, aber auch Kinder werden damit konfrontiert, dass jemand krank ist oder ins Spital muss oder auch stirbt. Halus: Ich war auch so ein typisches Warum-Kind, das immer alles genau wissen wollte. Ich bin auch überzeugt, dass es Kindern nicht immer um Spaß geht. OÖN: Heute, am Welttag des Theaters für junges Publikum, besuchen Sie Kinder auch in Krankenhäusern. Was haben Sie vorbereitet? Halus: Ich mache das zum ersten Mal. Wir, Simone Neumayr vom Theater des Kindes und ich, werden sehr offen sein und schauen, worauf die Kinder Lust haben und wobei sie mitmachen. Schächl: Wir, Markus Pendzialek vom u\hof: und ich, besuchen Kinder im Spital der Barmherzigen Schwestern und haben uns vorgenommen, spontan zu entscheiden und darauf zu reagieren, was die Kinder wollen. Unser Grundgerüst ist, dass wir die Geschichte der Welt erzählen möchten – vielleicht mit den OÖNachrichten in der Hand! Informationen zum Welttag 80 Mitglieder der ASSITEJ (Association Internationale du Théâtre pour l’Enfance et la Jeunesse) gibt es in Oberösterreich: AKKU Steyr, Figurentheater von Gerti Tröbinger, Landertinger Puppenbühne, Landestheater Linz u\hof: Theater für junges Publikum, Markus Luger, Märchenerzählerin Claudia Edermayer, Theater des Kindes, Theater Phönix, Waltraud Starck). Seit 2001 organisiert die ASSITEJ den Welttag des Theaters für junges Publikum. In Österreich gibt es rund 24.000 Zuseher waren in der vorigen Saison im Theater des Kindes, 17.000 im u\hof:. Programm am Dienstag: Besuche in der Landes-Frauen- und Kinderklinik, bei den Barmherzigen Schwestern, im Mutter-Kind-Haus Neue Welt, Kinderheim St. Isidor/Leonding. Info: www.theater-des-kindes.at oder www.uhof.at
Rezension: Heute, 21. März 2012 Theater-Workshop! Diese Jugendlichen tanzen „Macarena“ am Hauptplatz Zuerst anschleichen wie ein Raubtier und dann – einander umarmen. Oder: sich in einen Alien verwandeln, bevor man zum Tänzer wird … Am Dienstag, Welttag des Theaters für junges Publikum, wechselten rund 60 Jugendliche am Linzer Hauptplatz im Minuten-Takt ihre Rollen. Zur Einstimmung hatten die Schüler zuvor Theater-Vorführungen und Drama-Workshops besucht. Die Idee zum Improvisations-Flashmob hatte u\hof: Leiter John F. Kutil. |
| Verrücktes Blut |
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Rezension: Kronen Zeitung, lokal, 10. April 2012 Eine intensive Amok-Komödie Unterricht mit der Waffe in der Hand: "Lehrerin" Zeynep Buyrac Tatort Klassenzimmer: Die Lehrerin versucht, einer nicht zu bändigenden Horde von SchülerInnen Schiller näher zu bringen, als plötzlich eine Waffe ins Spiel kommt. Diese Gelegenheit nützt die Pädagogin, um sich endlich Gehör zu verschaffen. Mit der Waffe in der Hand geht es nun an die Werte der Aufklärung. Die Amok-Komödie "Verrücktes Blut" von Nurkan Erpulat und Jens Hillije liefert auf den ersten Blick alles, was ein Migrantenstück braucht. Gewaltbereite Jugendliche, die mit sexistischen Ausdrücken um sich werfen, aber die deutsche Sprache nicht beherrschen, Machos und Tussis und obendrein eine überforderte Lehrerin. Regisseurin Asli Kislal hat das Stück von Berlin nach Oberösterreich versetzt. Videos verstärken die Regionalität. "Verrücktes Blut" ist auch ein Stück voller unerwarteter Wendungen. Immer, wenn man eigene Vorurteile bestätigt fühlt oder sich über die Sichtweise des Stückes ärgern will, geht es ganz anders weiter. Riesenapplaus für Zeynep Buyrac und ihre 13 jungen MitspielerInnen!
Rezension: Neues Volksblatt, Kultur, 10. April 2012 Schiller interessiert hier keine Sau Landestheater liefert im Linzer Eisenhand energiegeladene Produktionum Schüler mit Migrationshintergrund: „Verrücktes Blut“ (ab 15) von Philipp Wagenhofer Sie führen einen ziemlichen Spruch, die Jugendlichen in Sonia Kehlichs Klasse — Hure, Nutte, Schlampe, Mu-si. Das heiße nicht Mu-si, sondern Mu-schi ... brüllt die Pädagogin in ihren migrantischen Sauhaufen. Das Stück „Verrücktes Blut“ ist eine „Freispiel“-Inszenierung des \uhof:, die Samstagabend im Theater Eisenhand Premiere hatte. Der mangelnde Wille zur Integration Das mit viel Vorschusslorbeeren bedachte Stück basiert auf dem französischen Streifen „Heute trag' ich Rock“ mit Isabelle Adjani, den Nurkan Erpulat und Jens Hillje für die Bühne adaptiert und so zu diskussionswürdigem Stoff gemacht haben. Von Berlin-Kreuzberg aus entwickelte sich „Verrücktes Blut“ zu einem Renner, der nicht zuletzt in die von Thilo Sarrazin entfachte Debatte um junge Muslime und deren nicht erkennbaren Willen zur Integration passte. Aufs Tapet bringt dieses Stück nicht in erster Linie die Wirklichkeit dieser Kids mit Migrationshintergrund, sondern unsere Sicht auf diese Figuren. Schon im Foyer und auf der Bühne wird gleich zu Beginn viel Wirbel entfacht, werden Respektlosigkeiten aller Art vom Stapel gelassen. Mitten drin ist eine Lehrerin, die den wüsten Beschimpfungen, Rempeleien und sonstigen Widrigkeiten hilflos ausgeliefert ist — und eigentlich Friedrich Schillers „Die Räuber“ und die Grundsätze der Aufklärung vermitteln will. Aber Schiller kennt und interessiert hier keine Sau. Als der besonders rabiaten Schülerin Balkan eine Pistole aus der Tasche fällt, ergreift Lehrerin Kelich die Chance, ihren Unterricht mit Gewalt durchzudrücken — Härte zu zeigen. Das Landestheater hat mit Jugendlichen aus Linz und Umgebung, die auch eigene Erfahrungen eingebracht haben, das Stück erarbeitet. Unter der Regie von Asli Kislal und mit Schauspielerin Zeynep Buyrac als Lehrerin entstand eine österreichische Version dieser energiegeladenen Konfrontation mit der Gleichgültigkeit einer Gesellschaft, die es gilt, wachzurütteln, mit Identität, Rollenbildern und dem Verlust von Werten. Das provozierte auch viele Lacher und Plattitüden, die nicht selten im Halse stecken blieben, freilich auch solche, die sich aus diversem Gehabe ergaben. Das umjubelte, aus dreizehn engagierten Jugendlichen bestehende Ensemble — in seinem Slang nicht immer zu verstehen — lieferte in 100 Minuten einen packenden Abend, neben Profi Zeynep Buyrac etwa Isabel Schölmbauer als renitente Balkan und Mirkan Öncel als leidender Hasan. Bei den Videoprojektionen (betreut von Anna de Mink und Anna Wagner) brachte man teils erschreckende Aussagen von Passanten in Linz zu Heimat und Integration. Ein Theaterstück als Spiegel der Betrachter: Wir sind das, was ihr in uns seht.
Rezension: OÖNachrichten, Kultur & Leben, 10. April 2012 Wenn die inoffizielle Bundeshymne zur Hommage an die Multikulturalität wird 14 Schüler erwecken den schlafenden Riesen der "Vorurteile" und belehren das Publikum von Evelyn Baier "Du verdammte Schlampe!" Gleich zu Beginn der Premiere "Verrücktes Blut" in der Linzer Landestheater-Spielstätte Eisenhand wird klar, wer hier das Sagen hat. Gegen eine Horde respektloser Sprücheklopfer, radikaler Kopftuchträgerinnen und gewalttätiger Migranten kommt die schüchterne Lehrerin Sonia Kelich (Zeynep Buyrac) nur schwer an. Als sie versucht, ihren Schützlingen die Werke Schillers ans Herz zu legen, kommt es zum Eklat. Während einer Rangelei fällt einer Schülerin die Pistole aus der Tasche, die unter den erschrockenen Blicken der Klassenkameraden flink zum ausgestreckten Zeigefinger Kelichs wird: eine "Erziehungsmaßnahme" mit ungeahnten Folgen. Regisseurin Asli Kislal verlegt das sozialkritische Stück von Nurkan Erpulat und Jens Hillje nach Österreich, setzt neue Impulse und nimmt Bezug auf Linz: In kurzen Videosequenzen sprechen Passanten erstaunlich direkt über Ausländer, Assimilation und Heimatgefühl und untermauern teils die gängigen Vorurteile der nationalistischen Gesellschaftsgruppen. Ein Kopfschütteln dazu ist wirklich alles, was bleibt. In ihrem ambitionierten Schauspiel drücken die 14 gecasteten Jugendlichen genau das aus, was in Österreichs Schulen Realität ist: der Konflikt zwischen Identität und Heimat, zwischen Österreichern und Ausländern - ein Thema, dem (noch immer) mit viel Vorsicht zu begegnen ist. Allein die Frage, wie man einen nicht-gebürtigen Österreicher bezeichnen soll, ist explosiver Konfliktstoff. Immer wieder steht daher die Frage im Raum, was einen "Menschen mit Migrationshintergrund" zu einem Ausländer macht. Sind es die Eltern, ist es der Akzent, das Kopftuch oder die Religion? Noch immer plagen sich viele mit Berührungsängsten durch den Alltag, die auch vor dem Schulleben nicht Halt machen. Die Darsteller nehmen in provokanter Sprache und harten Gesten die Suche nach der Essenz des gefährlichen Schubladendenkens auf. Professionelle Anleitung "Verrücktes Blut" ist noch ein bisschen mehr als ein Plädoyer der Menschlichkeit. Es ist der Versuch, dem klischeeüberzogenen Begriff einer Multikulti-Schulklasse ein neues Gesicht zu geben. Die inbrünstige Hingabe der jugendlichen Schauspieler, die großteils selbst ausländische Wurzeln haben, ist liebevoll und herzerwärmend zugleich. So manches Vorurteil beginnt zu bröckeln. Dies gelingt freilich nur durch die professionelle Anleitung von Buyrac und Kislal, die das betont übertriebene Spiel lenken und damit die schwere Handlung prägen. Gelebte Integration? Im Fall dieser Produktion, in reduziertem Bühnenbild und Alltagskleidung, funktioniert das Prinzip der leicht naiven Vorstellung eines humanen Utopia. Wenn selbst die inoffizielle Bundeshymne "I am from Austria" zur Hommage an die Multikulturalität wird, können die jungen Schauspieler dem Alltag einen kleinen Denkzettel verpassen.
Rezension: Der Standard, Bundesland Abend, 13. April 2012 Schiller mit Waffengewalt von Wiltrud Hackl Verrücktes Blut“ am Linzer Eisenhand-Theater ist ein seltener Glücksfall von einem Stück zu den Themen Jugend und Integration. Linz - 13 Schülerinnen und Schüler mit „Migrationshintergrund“, die jedem Klischee zu entsprechen bereit sind: Auf Bildung hat hier keiner Lust; man spricht schlechtes Deutsch; sexistische und homophobe Äußerungen zerschneiden die Luft des Raumes, in dem die Lehrerin Sonia Kelich (Zeynep Buyrac) einen Projekttag über Friedrich Schiller abhalten möchte. Als im Gerangel eine Pistole aus der Tasche einer Schülerin (Isabel Schölmbauer) fällt, ergreift die Lehrerin Waffe und Chance. Begriffe wie Aufklärung und Vernunft sollen nicht nur richtig ausgesprochen, sondern vermittelt werden. Kelich nimmt ihre Schüler als Geiseln und lässt sie mit vorgehaltener Pistole Die Räuber und Kabale und Liebe spielen. Aufklärung als paradoxe, mit Waffengewalt vorgebrachte Intervention in der Parallelgesellschaft. Asli Kislal hat das Erfolgsstück von Nurkan Erpulat und Jens Hillje, Verrücktes Blut, gemeinsam mit Zeynep Buyrac adaptiert. Dreizehn gecastete Jugendliche aus Linz und Umgebung haben sich das Stück erarbeitet. Und dabei geht es weniger um die Jugendlichen als um das Publikum, auf dessen eigene Stereotype schonungslos eingestochen wird. Mit Sätzen wie „Was seht ihr in mir? Einen Schüler, einen Schauspieler oder einen Kanaken?“ richten die spielenden Jugendlichen immer wieder das Wort direkt ans Publikum. Gegen Ende schließlich wird das „Spiel“ abgebrochen, keiner hat mehr Lust, den klischeehaft bildungsfernen oder den Quotenerfolgsausländer zu geben. Der Integrationsdebatte gehen - auf der Bühne - die Protagonisten verloren. Verrücktes Blut wird in Linz nicht nur aufsehenerregend gut gespielt, es balanciert auch geschickt zwischen Tragödie und Komödie und legt vor allem den Finger auf jene Scheinliberalität, die realbildungspolitisch ebenso wenig Chancengleichheit zulässt wie offener Rassismus. „Wie viele Erfolgskanaken erträgt das Land?“ fragt Hasan (Mirkan Öncel), bevor er die Pistole ins Publikum richtet. Die Antwort darauf bleiben ihm Politik und Gesellschaft schuldig.
Rezension: Kurier, Chronik, 15. April 2012 Mit den eigenen "Waffen" geschlagen von Heinz Wagner Oidaaaaa, was is mit diaaaa?!", "Was lochst 'n sooo???", Pöbeleien, aggressive Stimmung vor dem und im Foyer des Linzer Theaters Eisenhand. Irgendwie - so drängt sich's auf - dürfte das schon zum Stück "Verrücktes Blut" gehören. Verursacht trotzdem ein mulmiges Gefühl. Soll es auch. Als es losgeht, muss das Publikum über einen Teil der Bühne, die ein Klassenzimmer andeutet, zu den Sitzen gehen. Auf der Bühne 13 grüne Plastiksessel, großteils irgendwie beschrieben und bemalt. Provokativ auf einer Lehne: "Wer Rock trägt, ist eine Schlampe!" Angriffsziel ist die Lehrerin, Frau Kelich. Sie steht hilflos im Chaos von gegenseitigem Anstänkern der Schülerinnen und Schüler. Hebt sie die ausgeteilten Reclam-Hefte mit Schiller-Texten wieder auf, fliegen diese sofort wieder durch die Gegend. Mehrere Anläufe, mit dem Unterricht beginnen zu wollen, gehen unter. Profi plus Jugendliche Zeynep Buyrac als Lehrerin ist die einzige Profi-Schauspielerin. Die Jugendlichen werden von solchen dargestellt. Manche standen schon mehrmals in Theaterprojekten auf Bühnen wie Isabel Schölmbauer, die überzeugend die Agro-Typin Balkan gibt (im Berliner Original aber auch in der erst vor wenigen Monaten in Wien gespielten Version übrigens von einem Mann gespielt). Für andere wie Clemens Öllinger-Guptara (Hakim) oder Anna Eroglu (Asya) ist die Linzer Version des Erfolgsstückes eine Premiere, wenngleich die zuletzt Genannte dem KURIER anvertraut, "ich wollte schon als kleines Kind Schauspielerin werden". Diese beiden reisen übrigens immer zu Proben und Aufführungen an - die eine aus Traun, der andere gar aus dem Salzburger Mittersill. Entsprechend dem höheren Mädchenanteil der Jugendlichen, die sich beim Casting für eine Rolle in diesem Stück, das im Landestheater unter der Schiene "Freispiel" läuft, beworben hatten, schrieb Regisseurin Asli Kislal auch einige der Burschen-Rollen um. Zwang Zurück zum Stück: Die Lehrerin will den Jugendlichen Schiller näherbringen. "Die Räuber" sowie "Kabale und Liebe" hat sie für den Projekttag ausgesucht. Und verzweifelt daran, "diesen Migrantenkindern" scheinbar keine Bildung vermitteln zu können. "Ihr seid's rausgeschmissenes Geld!" Erst als im Gerangel aus "Balkans" Tasche eine Pistole fällt und sich die Lehrerin in den Besitz der Waffe bringt, hält sie die Schülerinnen und Schüler in Schach, zwingt sie dazu, in die Rollen einzutauchen, sich mit den Texten auseinanderzusetzen. Nur Miriam (Sarah Abdelnour) kann sie lange nicht dazu bringen, sich nach ihrer (der Lehrerin) Vorstellung vom Kopftuch zu "befreien". Dass die glaubhaft versichert, sie trage es aus eigener freier Überzeugung und deutlich signalisiert, sich auch von den Machos der Klasse nicht unterdrücken zu lassen, ist der Bildungsbürgerin egal. Diese kippt in den Machtrausch, in den sie mit der Waffe in der Hand verfällt. Ja sie will sogar die Tyrannen der Klasse wegpusten und ist voll fertig, als die Jugendlichen, sogar arg gemobbte, in freier, geheimer Abstimmung alle für deren Freilassung stimmen. Und ihr Sätze wie "Gewalt ist keine Lösung" entgegenschleudern, die sie zuvor - unter Waffendrohung - den Jugendlichen hatte eintrichtern wollen. Mehrmals wird die Dramatik des Stücks gebrochen, u. a. durch Singen von "Hoamatland", Bundeshymne und "I'm from Austria" sowie durch Videos, in denen Passantinnen und Passanten gefragt wurden, was Heimat für sie wäre oder ab wann sie Migrantinnen und Migranten für integriert halten.
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Rezension: Kronen Zeitung, lokal, 28. April 2012 Premiere eines aufwühlenden Tennagerstückes im u\hof: Zwei verliebte "Marsmädchen" Das erste Mal verliebt, das ist schon aufwühlend und spannend genug. Wenn sich aber zwei Mädchen – einfühlsam und glaubwürdig von Sabrina Rupp und Katharina Halus gespielt – ineinander verlieben, dann ist das wohl doch etwas zu viel für ein kleines Teenagerherz. Das Jugendtheaterstück „Marsmädchen“ im Linzer u\hof: thematisiert dieses Tabu einfühlsam, mit viel Humor und Ironie. "Life is not a picknick" - das wissen die schüchterne Miriam und die rebellische Außenseiterin Laura spätestens seit dem ersten Kuss. Wie die beiden mit ihren ungewöhnlichen Gefühlen umgehen, darum geht es in "Marsmädchen". Locker-flockig für Jugendliche aufbereitet, mit Musik und Slapsticks zwischendurch und einem einfallsreichen Bühnenbild, transportiert Regisseurin Margit Mezgolich die Botschaft von Romanautorin Tamara Bach. Und die heißt natürlich: Sei wie du bist! Die jungen Leute im Publikum konnten sich nicht nur mit den verschiedenen Charakteren identifizieren, ihnen wurde auch schon mal bissig der Spiegel vorgehalten. Für viel Gelächter sorgten Markus Pendzialek und Wenzel Bücher als kongeniales Tussi-Duo.
Rezension: Oberösterreichische Nachrichten, Kultur & Leben, 28. April 2012 War sie betrunken oder ist sie doch lesbisch? "Marsmädchen": die österreichische Erstaufführung des erfolgreichen Jugendromans im Linzer u\\hof: von Peter Grubmüller Auf dem Schulklo verhandeln Teenager die wichtigsten Themen: Wer raucht, wer schmust mit wem, wer ist noch Jungfrau? Die Beleuchtung im Linzer u\\hof: ist gedämpft. Die junge Bühne der Landestheaters ist an diesem Abend alles auf einmal: Schulklo, Klassenzimmer, Partyhöhle, Disco, Wohnung. Ein Haufen von 60 Zentimeter hohen Holzbuchstaben, mit denen die Schauspieler choreographisch perfekt eingewoben den jeweiligen Raum bestimmen, ist die einzige Ausstattung (Bühne/Kostüme: Alexandra Burgstaller). Jeder weitere Firlefanz wäre auch überflüssig, weil in "Marsmädchen", der österreichischen Erstaufführung von Tamara Bachs erfolgreichem und von Regisseurin Margit Mezgolich dramatisiertem Jugendbuch, das Wichtigste im Leben aller Teenager zur Debatte steht: die Liebe. Miriam ist 15 und in ihrer Klasse von Idioten umzingelt. Nur Ines und Suse taugen zu Vertrauten - bis die souveräne, aber warmherzige Laura auftaucht. Die Freundschaft ist zunächst flüchtig, aber die Ausgelassenheit während eines Discobesuchs verführt die beiden zu einem Kuss, der Miriams Leben auf den Kopf stellt. Aber warum verhält sich Laura nach diesem Kuss distanziert? Ist das Liebe? Küsst Miriam Frauen, weil sie nicht den richtigen Kerl findet? War sie betrunken? Ist sie lesbisch? Ein Brief zum Abschied Nach einem gemeinsamen Wochenende mit Lauras "Eh nur ein Freund" Philipp sind die beiden ein Paar. Niemand darf es wissen, obwohl sich das Gerücht durch die Schulgänge wälzt. Das zerbrechliche Wunder soll beschützt werden. Bald taucht Laura nicht mehr auf – nur ein Brief mit der Bitte um ein Treffen, aber nicht Laura, sondern Philipp erscheint. Die Treffsicherheit der jungen Sehnsüchte und widerstreitenden Gefühle ist die Stärke dieses Stücks, das am Ende ein wenig in der Luft hängen bleibt. Sabrina Rupp gibt Miriam eine hinreißende Seele. Ihr Strahlen, ihre Präsenz versichert dem Publikum die Existenz des prächtigsten aller Gefühle. Katharina Halus lässt Laura mitunter in die Passivität abgleiten, sie reagiert, anstatt gierig auf neue Erfahrungen und von den Vorgängen zerzaust zu sein. Wenzel Brücher ist eine im besten Sinne geschwätzige Suse und ein treuer, eigenbrötlerischer Philipp. Markus Pendzialek hat seine glänzendsten Momente als zerstreut wortkarger Bruder von Miriam. "Marsmädchen" ist wie geschaffen für Jugendliche, die gerade dabei sind, die Liebe und vor allem sich selbst zu entdecken.
Rezension: Neues Volksblatt, Kultur, 28. April 2012 So ist das eben mit der Liebe ... Premiere: „Marsmädchen“für alle ab 13 Jahren im Linzer \uhof: von Mariella Moshammer „Wie ist das, wenn man sich verliebt?“ Meist kompliziert — egal in welchem Alter. Aber wenn es das erste Mal ist und wenn man sich als Mädchen dann auch noch in ein anderes Mädchen verliebt — dann wird es sehr sehr kompliziert. Das Stück „Marsmädchen“ nach dem Roman von Tamara Bach feierte am Donnerstag im Linzer U-Hof Premiere und hat genau jene komplizierte Konstellation zum Inhalt. Die 15-jährige Miriam (Sabrina Rupp) verliebt sich in Laura (Katharina Halus) und damit beginnt das klassische Wirrwarr der Gefühle. Das Stück für Jugendliche ab 13 Jahren in der Inszenierung von Margit Mezgolich lässt aber in letzter Konsequenz das Thema „Outing“ außen vor. Vielmehr lässt sie ihre Heldin das klassische „Drama“ einer ersten Liebe erleben, mit all den Unsicherheiten, Glücksgefühlen, aber auch Enttäuschungen. Wie darauf die Umwelt reagiert, ob die Mädchen beispielsweise ihre Familien einweihen sollen — all das wird nicht thematisiert. Muss es wohl auch nicht, wo doch Liebe das Normalste der Welt ist. Witzig, ironisch und passend zum Leben von Jugendlichen geht es ziemlich rasant zu in „Marsmädchen“. Musikalisch umrahmt von Kitsch und Aktuellem findet man sich gut wieder in der Jugendwelt einer 15-Jährigen — soweit das eben geht als erwachsener Zuseher. Sowohl als Freundinnen, bester Freund und Bruder unterwegs sind die beiden männlichen Ensemble-Mitglieder Wenzel Brücher und Markus Pendzialek. Trotz Klischees, die die beiden erfüllen — pinke Handtasche, klar, ist ein Mädchen — sind sie ein gelungener Kontrapunkt zu den — klar, verliebt — schmachtenden Mädchen. Das Bühnenbild von Alexandra Burgstaller besteht aus Buchstaben, die sich stapeln, wenden und wunderbar bespielen lassen. Ob am „Klo“ oder im „Zug“: Ein paar Buchstaben genügen und das Publikum befindet sich am richtigen Ort. Am Ende verliert die Inszenierung leider etwas an Tempo und auch Inhalt. Aber so ist das eben leider auch oft mit der Liebe ...
Rezension: Der Standard, Bundeland Abend, 11. Mai 2012 Warum nicht? „Marsmädchen" in Linz Die Bühne bleibt über weite Teile dunkel gehalten. Nur die auf einer Seite weiß gestrichenen großen Buchstaben erhellen sie spärlich, wenn die Schauspieler aus ihnen Wörter bauen oder wenn die 15-jährige Miriam und ihre Schulkollegin Laura unter der Discokugel tanzen. Musik ist wichtig im Stück. Girl from Mars singt die Band Ash, „Perché no?" ein italienischer Barde, als Miriam und Laura sich erstmals zaghaft küssen. Warum nicht? Warum ist es nicht egal, wen man küsst, fragt sich Miriam (Sabrina Rupp). Sie wächst in einem Dorf auf, fühlt sich irgendwie dazwischen - zwischen guten und schlechten Noten, zwischen der Sehnsucht danach, aus dem Dorf wegzukommen, und dem Wissen, dass es der Disco-Wochenendbesuch in der Stadt wohl auch nicht gewesen sein kann. Als Laura (Katharina Halus) neu in die Klasse kommt, fühlt sich Miriam zu ihr hingezogen, weil sie anders als die anderen ist, weil sie stark ist - ein „Marsmädchen" eben. Und da ist noch mehr an Gefühl, das Miriam verwirrt. Ein Gefühlssalat, ein Durcheinander. Miriam und Laura verschweigen ihre erste gemeinsame Nacht, während die Freundinnen (Markus Pendzialek und Wenzel Brücher als großartiges Tussen-Duo) mit ihren ersten intimen Erfahrungen mit Jungs prahlen. Dass es so nicht wenigen Mädchen in Miriams Alter geht, wird wenig diskutiert. Genau hier setzt Marsmädchen an: Für manche ist es ein unterhaltsames Stück mit guter Musik, für andere aber Realität in einem Lebensabschnitt, in dem sie mit sexueller Orientierung konfrontiert sind. Im u\hof: Linz läuft es als österreichische Erstaufführung.
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