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| Arsen und Spitzenhäubchen |
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Holunderwein hat es in sich von Melissa Steinlechner Jeder hat Leichen im Keller, aber gleich zwölf? Sobald das Licht ausgeht, entführt uns Arsen und Spitzenhäubchen von Joseph Kesserling in die Welt zweier netter, alter Damen: Abby Brewster(zuckersüß Eva Maria Aichner) und Martha(Sven Christian Habich). Während der Efeu die Wände hochklettert, bekommen wir schmunzelnd Einblick in das Familienleben der Brewster, durch vor Ironie triefende Dialoge und den „British Black Humor“. Da kann es einem schon ein wenig mulmig werden! Dramaturgische Kunstgriffe geben dem turbulenten Treiben den nötigen Pfiff, das detailverliebte, aufwändige Bühnenbild und entstellte Gesicht des entflohenen Massenmörders bringen einen zum Staunen. Wenn Bernadettes Sonnenbichlers(Regie) Hang zur Dramatik ins Lächerliche zu kippen droht, weisen die schauspielerischen Glanzleistungen wieder den rechten Weg. Eine meisterhafte Tragikomödie, perfekt für einen schönen Freitagabend.
Wahnsinn und schwarzer Humor von Michael Straub „Insanity runs in my family. It practically gallops.“ - Von der holprigen deutschen Übersetzung abgesehen, entwickeln diese Worte auch aus dem Mund von Christian M. Oliveira ihren ganz eigenen Charme. Arsen und Spitzenhäubchen, die Geschichte um Mortimer Brewster, der entdeckt, was hinter der überfreundlichen Fassade in seiner Familie wirklich vorgeht, weiß auch in Bernadette Sonnenbichlers Fassung für das Linzer Landestheater zu unterhalten. Eva-Maria Aichner und Sven-Christian Habich als zwei genial verrückte alte Damen, denen man die Spielfreude schon von den Augen ablesen kann, tragen ihren Teil dazu bei. Die routinierte Inszenierung bietet die Möglichkeit, sich mit dem Stück von Joseph Kesselring vertraut zu machen oder es wieder einmal live zu erleben. Popcorn nicht vergessen!
Spaß und Mord im Brooklyner Wohnzimmer von Lena Lutz Zwei alte Damen (dargestellt von Eva-Maria Aichner und Sven Christian Habich), zwölf Leichen im Keller und deren verrückter Neffe Teddy (Sebastian Hufschmidt) bewohnen die Bühne, die zu einem Haus in Brooklyn geworden ist. Mit einem Blick auf das sehr aufwändig gestaltete Brooklyner-Wohnzimmer werden die Zuschauer zur Kriminalkomödie Arsen und Spitzenhäubchen von Joseph Kesselring begrüßt. Die erste Überraschung kommt mit einer der alten liebenswerten Damen, die von einem Mann gespielt, wird auf die Bühne. Diese Rollenbesetzung passt hervorragend in das Bild der verrückten Familie Brewster. Auch die restlichen Schauspieler verkörpern ihre Rollen ausgezeichnet. Häufig muss das Publikum angesichts dieses sehr unterhaltsamen Schauspiels zu lachen beginnen, um danach wieder die Spannung des Stückes zu spüren. Arsen und Spitzenhäubchen ist eine Aufführung, die mich wirklich sehr begeistert hat und welche ich nur weiterempfehlen kann.
So eine nette Familie! von Elisabeth Scheuer Drei Brüder, zwei Tanten, drei Polizisten, der Pfarrer und seine Tochter und jede Menge Chaos: Joseph Kesselrings Komödie spielt in Brooklyn im Brewster-Haus, wo sich alles erdenklich Verrückte zusammen tut. Während Teddy, der erste Bruder denkt, er sei Roosevelt, der Präsident von Amerika, schreibt sein Bruder Mortimer Theaterkritiken. Der dritte Bruder Jonathan hat beschlossen, seine Heimatstadt auch wieder einmal zu besuchen und beginnt einen makabren Wettkampf mit seinen Tanten Abby und Martha Brewster. Die Schwestern sind schon so vertieft in ihre Liebenswürdigkeit, dass selbst der Tod für sie eine nette Geste ist. Die Schauspieler spielen die zerrüttete Familienidylle perfekt und schaffen es, das Publikum oft zum Lachen zu bringen
Arsen – ein mörderisch gutes „Lachgift“ von Marlene Hauser Zurzeit ist die Kriminalkomödie Arsen und Spitzenhäubchen, von Joseph Kesselring (* 1902), im Großen Haus des Landestheaters Linz zu sehen. Abby (Eva Maria Aichner) und Martha Brewster (Sven-Christian Habich) sind zwei ältere, allseits beliebte Bürgerinnen in Brooklyn. Doch sie haben ein Geheimnis: sie vergiften ältere, alleinstehende Herren, um ihnen zu ihren inneren Frieden zu verhelfen. Die Leichen werden von ihrem verrückten Neffen Teddy (Sebastian Hufschmidt) im Keller eingegraben. Als einer ihrer drei Neffen, Mortimer (Christian Manuel Oliveira), in ihrem Haus eine Leiche entdeckt, läuft alles aus dem Ruder. Unerwartete Wendungen und Bühneneffekte sowie die Begleitung am Cembalo ziehen sich durch die zweieinhalbstündige Vorführung. Besonders glänzte Sven-Christian Habich mit seiner schauspielerischen Leistung in seiner weiblichen Rolle der Martha Brewster. Ein großes Kompliment an den Bühnenbildner Jens Burde: Das Bühnenbild ist pompös, aber keinesfalls kitschig. Alles wird in einer düsteren, gruseligen Atmosphäre gehalten. Arsen und Spitzenhäubchen ist eine schräge, mörderisch unterhaltsame Komödie.
Reizend, aber brandgefährlich von Anna Weiß Die beiden alten Damen, die in der alten Villa mit ihren Neffen Teddy und Mortimer leben, sind wohltätig und haben ein gutes Herz; denken zumindest die Nachbarn. Doch in Wirklichkeit erlösen die beiden alten Damen arme einsame Männer, indem sie ihnen Gift geben. Wie kann man seine mordlustigen Tanten vor dem Gesetz bewahren? Diese eine Frage ist der Schlüsselpunkt des gesamten Stücks. Mortimer, der eine Neffe der beiden alten Tanten, versucht, die Damen vor Schlimmeren zu beschützen. Nach dem Mord an einem Dutzend einsamen Herren und wenn der andere Neffe Jonathan, der auch ein Dutzend Menschen umgebracht hat, auch noch auftaucht, entsteht eine Art Wettbewerb „Wer hat die meisten Menschen umgebracht“ zwischen den verschiedenen Familienmitgliedern. Mortimer hat alle Hände voll zu tun, damit der dritte, verrückte Bruder Teddy die Morde auf seine Kappe nimmt. Die Schauspieler gingen in ihren Rollen auf. Besonders Eva-Maria Aichner und Sven-Christian Habich waren die Rollen förmlich auf den Leib geschneidert. Nancy Fischer und Christian Manuel Oliveira brillierten als verliebtes Pärchen. Maximilian Laprell und Vasilij Sotke überzeugten als Mordgespann. Und natürlich „last but not least“ Sebastian Hufschmidt als später Teddy Roosevelt, der seine Pläne in Panama ausführt. Das Bühnenbild war gut gewählt und auch voller Extras. Zum Beispiel die Efeuranken als Hutablage, die sich auf und ab bewegten, oder die Grabsteine, die man vom Fenster aus sehen konnte. Auch der Rabe als Klingel oder der Rollstuhl in der Mitte vervollständigten das alte Haus, in dem die mörderischen Tanten lebten. Nancy Fischer als Pfarrerstochter, die alles andere als brav ist und auch Sebastian Hufschmidt waren stilvoll gekleidet. Das Stück war etwas langatmig aber trotzdem sehr lustig. In Arsen und Spitzenhäubchen lebt die Familie Brewster richtig auf und all Familiensituationen, vom Hochzeitsantrag bis zum waschechten Familienskandal bekommen einen Platz in dieser skurrilen Kriminalkomödie.
13 Leichen im Keller!! von Amaryllis Haider Ich bin sehr begeistert von Joseph Kesselring´s Kriminalkomödie Arsen und Spitzenhäubchen. Doch nicht nur dieses Stück ist ein großer Erfolg, auch die anderen Theaterstücke (There is Windsom in Women, Cross Town, Arsenic and Old Lace,Frankenstein und andere) dieses Autors sind erwähnenswert. Bernadette Sonnenbichler hat alles toll insziniert und auch das Bühnenbild von Jens Burde und die Kostüme von Tanja Kramberger haben gut harmoniert. David Wagner´s Musik passte zu den Szenen und brachten Schwung rein. Man merkt richtig wie viel Arbeit und Engagement dahinter steckt. Die Schauspieler haben ihre Rolle wirklich glaubwürdig rübergebracht und man konnte erkennen dass sie Spaß daran haben dieses Stück aufzuführen. Das Puplikum war sichtlich begeistert. Die Spannung war von Anfang an da und stieg im Laufe des Stückes immer weiter. Gleich in der ersten Szene sind die zwei Tanten Abby- und Martha Brewster gespielt von Eva-Maria Aichner und Sven-Christian Habich da und lockern alles mit Witzen auf, über die die Leute laut mitlachten. Auch Sebastian Hufschmidt und Erich Josef Langwiesner überzeugten in ihren Rollen als der verrückte Teddy Brewster und Dr. Harper oder Dr. Witherspoon. Es wurde immer das richtige Gefühl vermittelt. Obwohl das Stück fast drei Stunden dauerte hatte man das Gefühl ,dass die Zeit schnell vergeht und ich war keinen Augenblick gelangweilt. Auch alle anderen Schauspieler spielten ihre Rolle ausgezeichnet. Den kräftigen Applaus am Schluss hatten sich jeder wirklich verdient.
„Der Leichenkeller!“ im Landestheater Linz von Anna-Marisa Wendler Martha (Sven-Christian Habich) und Abby Brewster (Eva-Maria Aichner) sind zwei nette und auch schon ältere Damen die einen Neffen Namens Teddy Brewster (Sebastian Hufschmidt) haben, der sich für den Präsidenten Theodore Roosevelt hält. In der Nachbarschaft ist er mit seiner Trompetenfanfare nicht sehr beliebt. Die zwei Damen haben noch zwei Neffen, Namens Mortimer (Christian-Manuel Oliveira) und Jonathan Brewster (Maximilian Laprell). Jonathan hat einen Freund den Dr. Einstein (Vasilij Sotke). In dem Wohn-Esszimmer, in einer Truhe seiner Tanten entdeckte Mortimer in der Nacht eine Leiche. Er stellte seine Tanten zur Rede. Sie erklärten ihm alles und sagten auch gleich, dass sie noch elf davon im Panamakanal bestattet hatten. Teddy Brewster hebt im Keller Schleusen für die als Gelbfieberopfern ausgegebenen Leichen aus! Der Autor dieses wunderschönen Stückes Arsen und Spitzenhäubchen ist Joseph Kesselring. Er wurde 1902 in New York geboren. Er schrieb zahlreiche Werke, aber mit Arsen und Spitzenhäubchen ist er bis heute in unserem Gedächtnis geblieben.
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| Wir sind Hundert |
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Über hundert Emotionen in drei Personen von Marlene Hauser „Hast du auch manchmal das Gefühl, mehrere Personen gleichzeitig zu sein? So als gäbe es tausend andere du’s.“ Der 1978 geborene Stockholmer Jonas Hassen Khemiri beschreibt in seinem Stück Wir sind hundert die Suche einer Frau nach ihrer wahren Identität; einen menschlichen Prozess, den wir wahrscheinlich alle durchleben, durchlebten oder noch durchleben werden. Da gäbe es zum Beispiel „Eins“. Ein 15-jähriges Ich, das nie aufgehört hat zu demonstrieren, sich gegen alles und jeden zu stellen. Eines, das anders sein möchte als die anderen. Es möchte vor Freiheit strotzen, in allen Ländern der Welt gegen Unterdrückung kämpfen, auf die Straßen gehen und am lautesten von allen anderen „Fuck Capitalism“ schreien. Dann gibt es da „Zwei“. Das angepasste, glückliche Ich. Oder besser gesagt, das sich einredet glücklich zu sein, weil es sich ja so gehört. Es hat sich von der Gesellschaft belehren lassen zu gehen, zu lachen, keine Fragen zu stellen, sich angemessen zu verhalten, wie jeder andere auch. Da es in dieser ständig lernenden Position ist, ist das Ich auch in einer extremen Unsicherheit gefangen. Und zu guter Letzt gibt es noch „Drei“. Das Ich, welches alles beobachtet, realistisch bleibt und eigentlich nur darauf bedacht ist, endlich seine innere Ruhe zu finden. Während wir in unserer Gedanken- und Emotionswelt fest zu sitzen scheinen, ereignen sich draußen, in der realen, brutalen Welt, die schrecklichsten Katastrophen. Was machen wir eigentlich? Wo bleibt unser politisches Engagement und was ist das letztlich? „Wir sind bereit.“, sagt Zwei (gespielt von Angela Smigoc) als die drei Frauen auf der Bühne erscheinen. Das sollte man für so einen intensiven Stoff auch auf jeden Fall sein. Die Inszenierung von Katharina Schwarz scheut vor keinen Tabus zurück; rührend, schonungslos, greifbar. Marion Reisers virtuose Verkörperung der Revoluzzerin lässt auch das Publikum erinnern, selbst ein solches Ich in sich zu haben. Angela Smigoc beweist sprachliches wie wandlungsfähiges Talent in einem Monolog, in dem sie drei grundverschiedene Personen auf einmal spielt. Babara Novotny zeigt, neben dem kritischen Ich, auch Komikerqualitäten und rief bei den Zusehern die einen oder anderen Lacher hervor. Drei Meisterinnen ihrer Kunst machen diesen Theaterbesuch zu einem emotionsgeladenen Theaterbesuch, der Fußabdrücke im Gemüt des Zusehers hinterlässt.
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| Così fan tutte |
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(A+B)+(C+D)=(A+D)+(B+C) von Lena Lutz Der Vorhang geht auf, und wir befinden uns in einer Klasse mit lärmenden Schülern. Und das soll die berühmte Oper Cosi fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart sein, denke ich mir? Doch schon kommt der Lehrer Don Alfonso (Dominik Nekel) auf die Bühne und bringt Klarheit in die Situation. Denn er beginnt nun, die Handlung des Stücks mit der bekannten Gleichung (A+B)+(C+D) = (A+D)+(B+C) zu erklären. Damit möchte er, als erfahrener Lehrer, den Schülern die Untreue der Frauen beschreiben. Er meint, dass es für die Frauen (die durch die Variablen A und C veranschaulicht werden) eigentlich das Gleiche sei, ob sie nun mit dem Verlobten B oder D zusammen leben. Im Allgemeinen sind nach seiner Theorie alle Frauen ihren Freunden gegenüber untreu (daher auch der Name Cosi fan tutte = So machen’s alle Frauen). Die beiden Männer Ferrando (Sven Hjörleifsson) und Guglielmo (Seho Chang) sind gar nicht dieser Meinung, und als sie Don Alfonso das Gegenteil beweisen wollen, gerät das Liebesleben der beiden Paare auch schon aus den Fugen. Die beiden Schülerinnen (gespielt von Martha Hirschmann und Myung Joo Lee) kämpften letztendlich erfolglos gegen den übermächtigen Scharm von Ferrando und Guglielmo an. Toll habe ich die Idee des Bühnenbildes gefunden (Hartmut Schörghofer). Die überdimensionale Tafel ließ sich ganz normal aufklappen, dahinter öffnet sich eine zweite Bühne, auf der ein Großteil der Oper ihren Lauf nimmt. Ich fand, dass alle Sänger und Sängerinnen nicht nur sehr gut sangen, sondern auch eine großartige schauspielerische Leistung boten. Auch das Publikum bedankte sich am Ende der Oper mit einem großartigen Applaus, der bei allen Sängern und Sängerinnen sehr ausgeglichen ausfiel. „Mozarts Cosi fan tutte ist eine Oper, die auch ohne viel Einlesen gut verstanden werden kann, und die durch ihre zeitlose Handlung das Publikum begeistert,“ verriet mir Wolfgang Haendeler, der leitende Operndramaturg, im Interview. Er betreute Cosi fan tutte dramaturgisch. Mein persönlicher Tipp noch: Gönnen Sie sich einmal einen Platz in der Loge – das ist ein tolles Erlebnis!
 Dramaturg Wolfgang Haendeler und Jungkritikerin Lena Lutz
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| THEATERUNI 2012 |
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Werkstatt: KLICK!!! von Anna Weiß In der Fotowerkstatt der THEATERUNI lernten die Teilnehmerinnen vieles über den Beruf des Theaterfotografen. Sie hatten verschiedene Aufträge zu erledigen, wie zum Beispiel bei anderen THEATERUNI-Workshops zu fotografieren und die Bilder dann zu bearbeiten. So konnten die TeilnehmerInnen der THEATERUNI-Fotowerkstatt über ihren speziellen Bereich hinaus viele andere Abteilungen des Theaters kennenlernen und Einblick bekommen, wie das Leben hinter den Kulissen wirklich ist: Wo werden die Kostüme entworfen? Wie gestaltet man das Bühnenbild? etc. Wenn man die Bilder der Teilnehmerinnen des Projekts betrachtet und auch zuhört wie Werkstattleiter Norbert Artner Tipps gibt, fühlt man sich aus Raum und Zeit gerissen. Die verschiedenen Bildbearbeitungsprogramme und Farbkombinationen ermöglichen immer wieder einen neuen Blickwinkel auf die Bilder. Wer Interesse an dem Beruf des Theaterfotografen hat, der sollte unbedingt einmal zur THEATERUNI kommen und sich in die Foto-Werkstatt begeben. Es lohnt sich!!
Aufziehorange von Marlene Hauser In der Werkstätte Schauspiel 1 beschäftigten wir uns vor allem mit Gesellschaftszwängen, Willenlosigkeit und Rebellion. Unsere Werkstättenleiterin Nicole Dietz ließ uns Jugendlichen enorm viel Freiraum in unseren Ideen und Ausdrucksmöglichkeiten. Eben genau das konträre Bild zu der Thematik, die wir bearbeiteten: „Zieh mich auf, und ich mache was du willst.“ Was mir die THEATERUNI 2012 gebracht hat, lässt sich schwer in Worten fassen. Zum einem lernte ich allerhand über das Stück A Clockwork Orange und seine Thematiken, zum anderen durfte ich wahre Gruppendynamik erfahren und wunderbare, neue Menschen kennenlernen. Außerdem bin ich mir nach dieser Woche wieder ein Stückchen sicherer, dass das Theater der Ort sein soll, den ich später meinen Arbeitsplatz nenne. Eines der schönen Dinge an der THEATERUNI ist es, am Abend zufrieden müde ins Bett zu fallen und zu wissen, jede einzelne Stunde des Tages sinnvoll genutzt zu haben und den nächsten Tag voller Proben und Workshops kaum erwarten zu können. Das einzig Schöne am Ende der THEATERUNI 2012 ist es, gesagt zu bekommen, dass es 2013 auch wieder eine Theateruni gibt.
10 Tage Theaterluft schnuppern Von Anna Wendler Ich konnte mir unter der THEATERUNI nicht wirklich etwas vorstellen. Wir kamen durch die JungkritikerInnen des Landestheater sehr kurzfristig dazu. Aber ich kann es wirklich jedem nur empfehlen, dabei mit zu machen. Es war eine tolle Erfahrung, hinter die Kulissen zu schauen. Die Theaterarbeit ist sehr spannend, aber auch anstrengend. Durch die Workshops und Werkstätten hatten wir einen sehr guten Einblick in viele Bereiche. Vor allem begeistert hat mich das Kostümdepot des Landestheaters: Dort gibt es ca. 60.000 Kostüme, und wir durften auch so manches anprobieren. Eine tolle „Ferienwoche“, in der ich auch sehr viele nette Menschen kennenlernen durfte.
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| Darwins Erbe |
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Nicht das Geld – vielmehr die Liebe ist für das Überleben entscheidend von Lena Lutz Das Entstehen neuer Arten ist nach Charles Darwin das Ergebnis der Evolution. Doch wie erfolgt die „natürliche Auslese“ bei uns Menschen? Spielt heutzutage nur noch der Besitz von Geld und Reichtümern eine Rolle oder zählen auch andere Werte? Ist der Vergleich zur Tierwelt angebracht – wo die Schwachen von den Starken verdrängt werden? Diese und viele andere Gedanken schwirren Julien (Bernhard Georg Rusch), durch den Kopf. Er will seine Überlegungen mit seinem besten Freund Jacques (Florian Stohr) teilen. Dieser hat jedoch zurzeit andere Sorgen als philosophische Grundsatzdiskussion zu führen. Er muss auf irgendeine Art und Weise wieder sein Geld zurückgewinnen, welches Julien bei einem Pyramidenspiel verlor. Bernhard Georg Rusch und Florian Stohr gelingt es, beide Charaktere sehr überzeugend und perfekt darzustellen. Im Laufe des Theaterstücks werden immer wieder die Gegensätze zwischen arm und reich zum Ausdruck gebracht. Der zwar wohlhabende, jedoch schüchterne Julien wäre auf Grund seiner Zurückhaltung und Ängstlichkeit nach Darwins Evolutionstheorie wahrscheinlich schon längst „ausgestorben“. Auf Grund der Unterstützung durch seinen viel durchsetzungsstärkeren, wenngleich armen Freund Jacques, konnte er jedoch „überleben“. Als Kernaussage dieses tollen Schauspiels von Evelyne de la Chenelière könnte man deshalb festhalten: Liebe, Freundschaft und das Füreinander da sein ist viel wichtiger und bedeutender für unser Überleben, als der Besitz von Macht und Geld!
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| Lulu |
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Sexuelle Obsession anstelle von Liebe von Marlene Hauser Lulu ist Freundin, Geliebte, Ehefrau, Prostituierte und vor allem Missbrauchsopfer. In einer Männerdomäne wurde sie bereits im Kindesalter dazu dressiert, ihren Körper gleichgültig hinzugeben. Nun, als erwachsene, junge Dame, ist es Lulu gewöhnt, ihren Körper weiterhin zur Ausübung sexueller Fantasien und Zwecke herzugeben. Sei es an ihren angeblichen Vater Schigolch (gespielt von Vasilij Sotke), der sie an ihren späteren Ehemann Dr. Schöning (gespielt von Stefan Matousch) verkauft, oder schlussendlich an ihre Freier (u. a. Markus Subramani amüsiert als ein schweigender, unbeholfener Freier). Man kann sagen, mit beinahe jedem männlichen Charakter des Stückes geht Lulu eine „freiwillige“ oder unfreiwillige, sexuelle Beziehung ein. Lulu ist fremdgesteuert, doch weiß sie mit ihren Reizen zu spielen. Katharina Vötter verkörpert diese kindliche, aufgeweckte und intrigante Lulu perfekt. Sie springt knapp bekleidet über die Bühne, lässt ihre Brüste wippen und macht ihre Beine breit, lacht, weint, verzweifelt und das alles so unbekümmert und glaubhaft. Katharina Vötter ist der aufgehende Stern am Landestheaterhimmel und verdient Tonnen über Tonnen Respekt für ihre Wahnsinnsleistungen. Auch die anderen 18 DarstellerInnen zeigen ihr schauspielerisches Können bis der letzte Vorhang fällt. Alexandra Pitz hüllt die Bühne in Stoffkilometer mit den jeweils passenden Farben zu den Szenarien. Da das Skandalstück in der Entstehungszeit zensiert wurde, wurde Frank Wedekinds entschärfte Fassung 1988 uraufgeführt und gilt bis heute als wahre Monstretragödie. Lulu ist kein Stück für schwache Gemüter. Regisseur Gerhard Willert geht in die Materie und zeigt uns eine Welt, wo Moral kleingeschrieben wird.
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| Gespräche der Karmelitinnen |
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Die Angst vor der Angst von Jackie Mc Nichol Als sich der Vorhang hob, gab er eine Art Arena frei, die das Publikum auf den bevorstehenden spirituellen Kampf zwischen Angst und Erhabenheit vorbereitete. Die Oper, die auf der Novelle Die Letzte am Schafott von Gertrud von le Fort, basiert, stellt die Suche nach Spiritualität dar, aber auch die Angst vor der Angst und deren heldenhafte Überwindung sind in der Hauptfigur fest verankert. Während der einzelnen Bilder, die Ausschnitte der Geschichte von Blanche, einer jungen Novizin des Ordens zeigten, waren häufig längere Pausen, bei denen der Vorhang heruntergelassen wurde und die Musik aus dem Orchestergraben verstarb, diese überbrückten einige mit E-Mails checken, SMS schreiben oder aufgeregtem Gemurmel. Das Prozedere wiederholte sich einige Male …Durch die Ablenkung ging das, anfangs starke, aber später abklingende Gänsehaut-Feeling verloren. Die Angst, die eine wichtige Rolle spielt, wurde gut von Myung Joo Lee, als Blanche, vermittelt. Zeitweise schien sie von ihrer Angst erdrückt zu werden, aber am Ende besiegt sie den „Angsthasen“ in sich und wird erhaben über ihre enorme Angst. Aber auch Karen Robertson, als herrische Madame de Croissy, und Elisabeth Breuer, als sympathische Soeur Constance de Saint-Denis brillierten in ihren Rollen. Das Bühnenbild war sehr ungewöhnlich und nicht unbedingt angenehm fürs Publikum, da dieses „verblendet“ wurde mithilfe von Scheinwerfern, die direkt in die Menge gerichtet wurden und ein Zuschauen während diese eingeschaltet waren, kaum zuließen. Das Publikum reagierte auf diese Oper mit einem teils verhaltenen, vereinzelt sogar recht begeisterten Applaus, doch in den, nach der Pause nur noch spärlich besetzten, oberen Rängen erschollen Buhrufe.
Die Gespräche der Karmelitinnen von Theresa Weiß Blanche de la Force hat vor allem und jedem Angst. Sie wächst gut behütet auf. Jeder ihrer Schritte wird von ihrem Vater und ihrem Bruder überwacht. Bis sie in ein Karmeliten-Kloster eintritt, um endlich ihre Ängste zu überwinden und Gott zu dienen. Für eine kurze Zeit scheinen sich ihre Angstzustände zu bessern. Sie findet sogar eine neue Freundin, Constance, die es schafft, Blanche ein wenig auf zu heitern. Aber als die kranke Priorin stirbt, beginnt für Blanche derselbe Albtraum zum wiederholten Male. Inmitten der Französischen Revolution werden schließlich alle Karmelitinnen umgebracht und Blanche zeigt ihre Treue gegenüber dem Kloster und Gott. Die Charaktere waren mit den richtigen Sängerinnen und Sänger besetzt. So schaffte es Myong Joo Lee, Blanches Angst greifbar zu machen. Man konnte spüren, wie Blanche bei jedem Geräusch zusammenzuckte. Auch Elisabeth Breuer alias Soeur Constance de Saint-Denis, das Energiebündel, schaffte es, dem ernsten Stück etwas dazu zu fügen, dass sonst gefehlt hätte. Im Guten und Ganzen kann man sagen, dass die Rollen jedem Sänger auf den Leib geschneidert waren. Das Bühnenbild war schlicht gehalten und machte auf eindrucksvolle Weise das Leben im Kloster anschaulich. Das Einzige was mir nicht so gut gefallen hat, waren die vielen Lichter, da die sehr geblendet haben und man so ziemlich viel nicht mitbekommen hat.
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| u\hof: Flashmob am Welttag des Theaters für junges Publikum |
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Theaterflashmob am Hauptplatz von Lena Lutz Nur mit der Information, dass am Dienstag 20.März am Hauptplatz ein Flashmob stattfindet, ließ ich mich am genannten Ort nieder und hatte noch keine Vorstellungen, was mich da erwarten würde. Pünktlich um 15:30 versammelte sich dann plötzlich mitten am Hauptplatz, eine Gruppe von ca. 50 Jugendlichen. Gleich darauf formierte sich diese in zwei Teile und begann damit, sich in gleichartiger Weise tanzend zu bewegen. Die Leute rund um mich staunten auch nicht schlecht. Viele blieben stehen, manche schüttelten den Kopf und gingen verwirrt wieder weiter. Zuerst hatte es den Anschein als würden sich die beiden Gruppen gegenseitig bekämpfen. Doch kurze Zeit später wurden die angedeuteten Schläge immer langsamer – zeitlupenmäßig – und gingen schließlich in gegenseitige Umarmungen über. Als Zeichen des entstanden Friedens, begannen die Gruppen wild zu tanzen und laut zu singen. Auf einmal ertönte ein Pfiff und das Spektakel fand sein Ende. Nun kam die Auflösung: Den ratlosen Zuschauern wurde erklärt, dass heute der Welttag des Theaters für junges Publikum ist. So schnell wie die Menschen zusammengekommen sind, löste sich die Menge auch schon wieder auf und ließ eine Reihe Zuschauer – mich eingeschlossen – verdutzt zurück.
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| Du sollst nicht lieben |
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Du sollst nicht lieben von Melissa Steinlechner Bei diesem Titel sind Missverständnisse wohl eher ausgeschlossen. Die Behauptung an sich löst, während man wartend auf den Beginn des Stückes hin fiebert, Bedenken aus. Jedoch muss man diesem nach Vollendung der Vorstellung leicht melancholisch zustimmen, Selbstbemitleidung eingeschlossen. Das Saallicht geht aus. Vor uns eine kleine Wohnung, in der rechten hinteren Ecke ein schwarzes Klavier. Vermutlich Yamaha. „Aha“, denkt man sich. Da spricht ein Mann in leicht schrägem Sakko (orange-grün kariert!), schon ein wenig älter. Ein Blumenstrauß in der rechten Hand. „Aha, sehr interessant ...“ Leicht skeptisch verfolgt man das Kennenlernen von Sonja (Angela Šmigoc) und Lothar (Joachim Rathke), ausgelöst durch künstlich wirkende Szenerien. Doch empfindet man Achtung vor dem perfekt organisierten Umbau, integriert in das Spielen. Große schauspielerische Leistung! Meine Gesichtsmuskeln entspannen sich gänzlich als erstmals die Stimmbänder vibrieren. Dem Klavierbegleiter Nebojša Krulanović scheint die Zusammenarbeit mit Angela Šmigoc sichtbar Spaß zu machen, eine radioaktive Masse, die das Publikum ansteckt. Ein lustiger Abend! Man bekommt die Auf und Abs einer Beziehung serviert, von der Vorspeise bis hin zum Verdauungsschnäpschen. Die Jahre vergehen. Der Autor bedient sich alter Rollenbilder. Der Mann sitzt im Büro, die Frau ruft daheim den Elektriker. Die Glühbirne ist wieder einmal ausgefallen. Essenzielle Bestandteile des Alttags eben. Während Nebojša Krulanović kräftig in die Tasten haut, fährt der Zeigefinger Joachim Rathkes mahnend in die Luft, doch wird er von Angela Šmigoc mit gewaltig Luft in den Lungen ganz einfach niedergesungen, da wirkt sein Part eher kläglich. Schade eigentlich. Was lernen wir daraus: Ehe ist kein Kinderspiel, Tangotanz jedoch ein schöner Schluss. Der ernüchternde Inhalt lässt sich als leichte Kost einfach besser verkraften. Amüsiert trat ich in die kühle Abendluft – „Wenn noch ein Obstgeschäft offen hätte, vielleicht würde ich mir einen Apfel kaufen!“
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| Nijinskys Tagebuch |
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Wahnsinn zum Greifen nahe „Nijinskys Tagebuch“ am Landestheater Linz von Jackie Mc Nichol Einen höchst aufwühlenden Abend konnte man bei der Premiere von dem Ballett Nijinskys Tagebuch erleben, das vom bekannten Balletttänzer Waslaw Nijinsky und dessen Schizophrenie handelt. Die Schizophrenie und somit Nijinsky wurde von sechs DarstellerInnen (jeweils zwei SängerInnen – Martin Achrainer, Belinda Loukota – zwei TänzerInnen – Ilja van den Bosch, Daniel Morales Perez – und SchauspielerInnen – Karl M. Sibelius, Barbara Novotny –) verkörpert. Den DarstellerInnen verlangte das Stück Ungewöhnliches ab, da die TänzerInnen sprechen, die SängerInnen tanzen und SchauspielerInnen singen mussten. Diese Hürde wurde mit Bravour von diesen gemeistert. Zeitweise herrschte eine solche Spannung im Publikumsraum, dass man fast das Gefühl bekommen konnte, dass der Wahnsinn greifbar ist und kurz davor ist, das Publikum mit einzuschließen. Die Musik hat zu dieser Atmosphäre einiges beigetragen, da manchmal nur das Zuhören Schauer über den Rücken laufen ließ und eine Gänsehaut hervorrief, die kein Horrorfilm erreicht hätte. Für die musikalische Leitung zeichnet Ingo Ingensand, verantwortlich. Detlev Glanert, der Komponist, war anwesend und wurde zum Schluss unter viel Applaus auf die Bühne geholt. Für die Dramaturgie war Julia Zirkler bei diesem Stück verantwortlich. Ihr gebührt ein besonderes Lob, aber nicht nur ihr, sondern auch Nicola Reichert, die für Bühnenbild und Kostüme nicht minderes zugestanden bekommen sollte. Rosamund Gilmore hat mit ihrer Inszenierung und Choreographie den richtigen Grad zwischen Genialität und Wahnsinn gefunden. Das Publikum quittierte diese gänsehauterregende Premiere mit begeistertem Beifall, aber auch der gegenteilige Fall war vereinzelt vertreten.
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| Die Kunst des Fallens |
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Und auf einmal falle ich ... Von Amaryllis Haider Die Kunst des Fallens - dieses Stück von Christoph Nussbaumeder brachte mich zum nachdenken. Es sind Sätze wie. „Ich schau auf meine Vergangenheit, seh aber nur einen einzigen Scherbenhaufen. Ich würd gern alles wieder zusammenflicken, weils meine Schuld ist, dass es so gekommen ist. Aber es geht nicht.“, die mich so berührten. Es war sehr abwechslungsreich und spannend. Die Kunst des Fallens kann ich wirklich sehr weiterempfehlen. Das Bühnenbild ist gut gelungen und auch die Kostüme waren sehr passend. Die Wirtin Monika (Verena Koch) und ihre zwei Töchter Sigrid (Anna Eger) und Seffi (Angela Šmigoc) schenken in ihrem Biergarten Felsenschenk wieder zur Saison Bier aus. Die übliche Stammrunde nimmt Platz. Darunter ist auch der alte verwirrte Rentner Gobi (Sven-Christian Habich) mit seinem imaginären Hund (Dieser wird am Schluss durch eine echten Hund ersetzt.). Über ihn mussten die ZuschauerInnen oft lachen. Die Stimmung ist ausgelassen, doch man merkt, wie die Blicke fast aller Männer auf Sigrid haften. Harry Schmitz (Sebastian Hufschmidt) gibt sogar seine Ehe mit Gundula (Bettina Buchholz) auf. Für Sigrid. Sigrid – die Schöne! Sigrid – die etwas Verrückte! Sigrid – die unter Angstattacken leidet! Ihr Arzt Joseph (Georg Bonn) verschreibt ihr zwar Tabletten, dennoch kommt es weiterhin zu Angstattacken, die Anna Eger sehr glaubhaft rüberbringt. Sigrid`s eigentlicher Freund ist Adam Nuht (Markus Subramaniam), doch sie lässt sich trotzdem gerne von Sam (Manuel Klein), Harry und auch Paul (Aurel von Arx) umschwärmen. Die SchauspielerInnen haben eine tolle Leistung gebracht. Es war ein wirklich gelungener Auftritt. Die schönen Abschlussworte von Sigrid :“Alle drängen sich um mich, da kriegt man doch keine Luft mehr. Mit dir hätt ich vielleicht atmen können. Aber wahrscheinlich ist es besser, ich lerns für mich allein.“, regten zum Nachdenken an. Danach folgte ein lauter und kräftiger Applaus.
Liebe, die krank macht Die Kunst des Fallens von Christoph Nussbaumeder am Landestheater Linz Von Jackie Mc Nichol Zu Beginn des Stückes hätte man sich nicht denken können, dass es möglich ist, so viele Liebesaffären und Liebeleien gleichzeitig zu führen und doch so bedenkenlos durchs Leben zu gehen. Das Stück begann mit einem Besuch in der Felsenschenke, einem kleinen Biergarten der von Monika und deren Töchtern (Sigrid und Seffi) geführt wird. Die Biergarten-Atmosphäre war förmlich im Publikumsraum zu spüren und der anfängliche Dialog, der zwischen den einzelnen Tischen hin und her wanderte, wobei die Themen aufgegriffen und weitergesponnen wurden, überraschte aber begeisterte auch. Die labile beschäftigungslose Schneiderin und Bedienung Sigrid, die von den Männern umgarnt, verführt und geliebt wurde und bald wegen diesen einen Nervenzusammenbruch erleidet, wurde von der Schauspielerin Anna Eger verkörpert, wobei die unter die Haut fahrenden Weinkrämpfe dem Zuschauer eine Gänsehaut den Rücken hinunterlaufen ließen. Aber auch ihre Mutter, Monika, gespielt von Verena Koch, glänzte in ihrer Rolle, die perfekt auf sie zugeschneidert zu scheinen ist. Lacher erzeugte der alte schrullige Herr Gobmeier, Sven-Christian Habich, der das Publikum mit seinem imaginären Hund derart einnahm, dass schon bei seinem bloßen Auftauchen vereinzelt Gekicher zu hören war. Bernarda Horres hat bei ihrer Inszenierung ganz auf die gesellige, aber teilweise doch etwas verstörende Atmosphäre vertraut. Dramaturgie führte Franz Huber, der auch später auf die Bühne geholt wurde. Durch die gelungene Inszenierung und den großen Einsatz der SchauspielerInnen wurde dem Publikum ein außergewöhnlicher Theaterabend geboten, der mit einem begeisterten Applaus quittiert wurde.
Die Kunst des Überlebens in einem verrückten Biergarten von Anna Theresa Weiß Die Schwestern Sigrid und Seffi sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Während Seffi brav studiert, ist Sigrid arbeitslos. Sigrid verdreht jedem Mann den Kopf, während Seffi auf die wahre Liebe wartet. Trotz all der Unterschiede helfen die beiden Schwestern in dem nur mäßig laufenden Biergarten Felsenschenke ihrer Mutter Monika mit. Und wie jedes Jahr kommen die Gäste mit ihren verrückten bis traurigen Lebensgeschichten daher. Da ist zum Beispiel der Rechtsanwalt Adam, der Zeichner Paul (der einige Zeit eine Beziehung mit Seffi hatte, diese aber für Sigrid verließ), der Arzt Joseph, der Angestellte Harry, der arbeitslose Sam und der Frührentner Gobi mit seinem eingebildeten Hund Connie. Und alle kommen wegen der schönen Sigrid. Als dann Harry tot aufgefunden wird, werden die verschiedensten Vermutungen angestellt: Mord? Selbstmord? Unfall? Harrys Frau (die inzwischen eine Beziehung mit Monika hat) gibt sich die Schuld an dem Unfall und zerbricht fast an dieser Last. Am Ende des Stücks ist Sigrid circa tausendmal zusammen gebrochen, während alle anderen betrunken sind und der Mord/Unfall/Selbstmord noch immer noch nicht geklärt ist. Das Stück ist sehr kompliziert zu verstehen. Sind Sigrid und Adam noch zusammen? Hat sie nicht schon was mit Paul? Ist Paul nicht gerade mit Seffi zusammen? Manchmal hat man das Gefühl das Sigrid mit allen Mitteln versucht, von allen loszukommen, um sich dann wieder an eine Person zu klammern, sie im nächsten Moment fallen zu lassen, und zum nächsten Freund/Lover zu laufen. Die SchauspielerInnen jedoch schafften es ohne große Mühe ihrer Rolle einen Charakter zu verpassen. So schaffte es Anna Eger ohne Probleme die zerrissene Sigrid, die von Panikattacken und sonstigen Problemen gequält wurde, darzustellen. Angela Šmigoc brachte das Publikum dazu, mit ihr mitzuleiden, da Steffi immer im Schatten ihrer Schwester stand. Auch die Leistungen der anderen DarstellerInnen waren brillant .Sven-Christian Habich brachte das Publikum mit Connie immer wieder zum Lachen, Manuel Klein brillierte mit seinem Gesangstalent (Bis zum Hohen C!) und Aurel von Arx brachte das Publikum immer wieder zum Staunen.
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| Verrücktes Blut |
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Was bitte ist Integration?! von Valentina Hölzl In dieser Migrationsklasse interessiert es niemanden, was Lehrerin Kelich (Zeynep Buyrac) zu erzählen hat. Schon gar nicht, wenn das Thema des Projekttages ‚Friedrich Schiller’ heißt. Während sie im Theaterstück Verrücktes Blut hilflos bemüht ist, die Jugendlichen für Literaturklassiker wie Die Räuber zu begeistern, werden Schulbücher achtlos durch das Klassenzimmer geschmissen, MitschülerInnen bedroht und aufs Übelste beschimpft. Bis Frau Kelich ihre SchülerInnen mit einer Waffe bedroht. Das ganze Stück über lässt die Spannung den Zuschauer kaum zu Atem kommen, viele unerwartete Wendungen lassen Langeweile unmöglich zu. Jede Figur ist sehr glaubwürdig ausgearbeitet und durch die jungen SchauspielerInnen wirken die Szenen schockierend realistisch. Das gänzlich weiße Bühnenbild lässt viel Raum für die eigene Fantasie, da stört es auch nicht sonderlich, dass alle SchülerInnen die gleiche Kleidung tragen, wodurch das Bild etwas Steriles und Unwirkliches bekommt. Vielmehr wird dadurch die Aufmerksamkeit des Publikums auf die herausragende schauspielerische Leistung der DarstellerInnen gelenkt. Die Figuren bedienen sich anfangs aller nur denkbaren Klischees, bringen den Zuschauer jedoch letztendlich dazu, seine eigenen Bilder und Vorurteile gründlich zu überdenken. Respekt!
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| Märsmädchen |
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Auch der Mars ist nur ein Planet von Lena Lutz Die 15-jährige Miriam fühlt sich anders als ihre Freundinnen – ganz anders. Sie kann weder deren Hingabe für Jungs verstehen, noch deren Begeisterung für den typischen Mädchentratsch. Sehr oft hat sie das Gefühl ausgeschlossen zu sein und von den anderen nicht verstanden zu werden, als ob sie alleine auf ihrem eigenen Planeten leben würde. Doch von einem Tag auf den anderen ändert sich schlagartig alles und eine zweite Person landet auf ihrem einsamen Planeten. Schon als Miriam ihre neue Klasse betritt, kann sie ihren Blick kaum von dem Mädchen in der ersten Reihe, Laura, losreißen. Laura geht es ganz genau so. Ist das Liebe auf den ersten Blick?
Marsmädchen, dramatisiert von Margit Mezgolich, ist ein Stück über ein Mädchen, das erkennt, sich mehr zu Mädchen als zu Jungs hingezogen zu fühlen und nun Schritt für Schritt ihrer großen Liebe immer näher kommt. Ist es denn nicht egal wen man liebt – ob Mann oder Frau? Ganz so einfach ist die Sache dann doch wieder nicht und auch das Stück ließ es noch offen, wie Miriams weiterer Weg aussieht. Neben den beiden unglaublich hinreißend spielenden Darstellerinnen von Miriam und Laura (Sabrina Rupp & Katharina Halus) war die Bühne noch besetzt von Wenzel Brücher und Markus Pendzialek. Diese beiden Schauspieler wechselten ständig zwischen verschiedenen Rollen, übernahmen sogar weibliche Charaktere hervorragend und extrem witzig. Sie brachten das Publikum somit ständig zum Lachen. Ich finde es immer wieder aufs Neue bemerkenswert wie Schauspieler, die in einem Stück mehrere Rollen übernehmen, bei jedem Charakter wieder völlig anders wirken können. Interessant und toll fand ich auch das Bühnenbild (Alexandra Burgstaller), das nur aus hölzernen, überdimensionalen Buchstaben bestand. Während des Stückes griffen die SchauspielerInnen immer wieder zu den Buchstaben und bildeten damit Wörter, die stets den Schauplatz der jeweiligen Szene widerspiegelten. In dem Stück geht es um die erste große Liebe und die kann auch zwischen zwei Mädchen entstehen. Es ist am Anfang zwar überraschend, aber letztendlich auch nicht anders als zwischen Jungen und Mädchen. Denn … der Mars ist auch nur ein Planet.
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| A Clockwork Orange |
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Jung, mutig und bösartig von Valentina Hözl Der junge Alex (Wenzel Brücher) liebt Beethoven und trinkt am liebsten Milch. Und er zieht nachts mit seinen Freunden durch die Stadt, verprügelt Obdachlose und vergewaltigt Frauen, bricht in Häuser ein und tötet sogar. Alles nur zum Spaß. Für den richtigen Kick sozusagen. Alex ist fünfzehn, als seine Gang ihn der Polizei ausliefert. Auf ihn warten, angesichts seines Strafregisters, viele Jahre Jugendgefängnis. Da kommt es ihm gerade recht, als er nach zwei Jahren von einer neuen Behandlungsmethode, der Ludovico-Technik, erfährt. Sie soll aus einem Straftäter innerhalb zweier Wochen einen vorbildlich guten Menschen formen. Alex hat genug vom Gefängnis, er will raus. Darum meldet er sich freiwillig als Versuchsperson. Die Szenen, die dem Publikum in A Clockwork Orange geboten werden, lassen ihn mehr als einmal die Luft anhalten. Die anfängliche Spannung lässt allmählich nach, bekommt aber immer wieder Anstöße durch Ortswechsel und neue Situationen. Dass Alex so jung ist, merkt man nur dann, wenn es erwähnt wird, Wenzel Brücher schafft es, eine schockierend brutale und gefährliche Atmospäre zu erzeugen. Sympathie mit Alex kommt, was der Rolle gerecht wird, keine auf. Beeindruckend sind auch die SchauspielerInnen der eher kleinen Rollen, die ohne viel Sprache ausdrucksstarke Personen darstellen. Die Musik Beethovens ist ein fühlbarer Widerspruch gegen die blutroten Kampfszenen, lässt diese aber gerade deshalb so brutal wirken. Das einfache und dennoch abwechslungs-reiche Bühnenbild unterstreicht die Szenen, die Projektionen lenken allerdings manchmal etwas zu viel Aufmerksamkeit von den Geschehnissen auf der Bühne ab. Alles in allem eine sehenswerte Vorstellung, deren Szenen im Gedächtnis bleiben.
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